Pilotenstreik bei Germanwings : 52 Flugausfälle am Freitag in Tegel erwartet

Der Pilotenstreik bei Germanwings führt auch in Berlin zu erheblichen Ausfällen. Dennoch will die Lufthansa-Tochter über 80 Prozent der Passagiere ans Ziel bringen. Der Mutterkonzern klagt derweil gegen höhere Flughafen-Gebühren in Tegel.

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Wartende Passagiere: Durch einen Pilotenstreik kam es am Donnerstag bei der Lufthansa-Tochter Germanwings auch in Tegel zu erheblichen Flugausfällen.
Wartende Passagiere: Durch einen Pilotenstreik kam es am Donnerstag bei der Lufthansa-Tochter Germanwings auch in Tegel zu...Foto: Reuters/Fabrizio Bensch

Wer am Freitag mit Germanwings Berlin verlassen will oder Gäste in der Hauptstadt in Empfang nehmen will, muss mit einigen Umständen rechnen. Wegen eines anhaltenden Pilotenstreiks wird die Lufthansa-Tochter voraussichtlich 52 von 70 geplanten Starts und Landungen am Flughafen Tegel streichen müssen. Das erklärte eine Sprecherin am Donnerstagabend auf Tagesspiegel-Anfrage. Die Airline ist verpflichtet, ihren Passagieren Ersatz anzubieten. Betroffene können sich auf der Germanwings-Website über die verschiedenen Angebote sowie aktuelle Änderungen im Flugplan .informieren.

Schon am Donnerstag waren wegen der Auseinandersetzung mit den Piloten 48 von 72 Germanwings-Flügen in Tegel ausgefallen. Um die übrigen 24 durchführen zu können, habe die Gesellschaft primär im Management tätige Piloten eingesetzt und Flugzeuge und Crews von anderen Airlines angemietet, sagte die Sprecherin weiter. Darüber hinaus habe man zahlreiche Passagiere auf andere Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines umgebucht oder ihnen ein Ausweichen auf die Deutsche Bahn ermöglicht. Auf diese Weise habe man über 80 Prozent der Gäste ans Ziel befördern, berichtete die Sprecherin. Ausfälle hätten vor allem Inlandsflüge getroffen.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit hatte im vergangenen Jahr bei den Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings bereits zu elf Streiks aufgerufen, nur einmal sagte sie den Arbeitskampf kurzfristig ab. Vordergründiger Streikanlass ist die umstrittene Übergangsversorgung der Piloten bis zur gesetzlichen Rente. Es ist aber ein Vielzahl weiterer Tarifthemen ungelöst und es gibt einen heftigen Streit über den künftigen Kurs des Dax-Konzerns.

Lufthansa: "Lärmentgelt" soll nur Profit bringen

Derweil steht der Flughafen Tegel auch in einer anderen Angelegenheit im Blickpunkt. Die Germanwings-Mutter Lufthansa hat gegen die seit Januar geltende Gebührenerhöhung für den Flughafen Tegel Klage eingereicht. Das Unternehmen hält das von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt genehmigte neue "Lärmentgelt" für unzulässig und sieht darin die Absicht, aus dem vor der Schließung stehenden Flughafen zusätzlichen Profit zu schlagen.

"Es geht nicht um Entgeld für den Lärmschutz, sondern darum, Kasse zu machen", sagte ein Sprecher der Lufthansa. Tegel sei bereits jetzt eine "Goldgrube" für die Betreibergesellschaft FBB, während es durch die alte Infrastruktur des Flughafens für die Airlines immer wieder zu erheblichen Mehrkosten komme. Aus Sicht der Lufthansa hätte die Behörde die Erhöhung "sowohl aus formalen als auch aus inhaltlichen Gründen" nicht genehmigen dürfen, weshalb das Unternehmen nun vor Gericht ziehe. Der Prozess soll Mitte des Jahres beginnen.

Bei dem umstrittenen Entgeld geht es um einen Lärmzuschlag, der sich nach der jeweiligen Lautstärke eines Flugzeuges bemisst. Bisher galt dieser Zuschlag nur für Starts, künftig soll er auch für Landungen kassiert werden.

(mit dpa, AFP)

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