Berlin : Piste in Tegel vermutlich durch Pilotenfehler stundenlang dicht

RAINER W.DURING WERNER SCHMIDT

Air-France-Maschine blieb nach der Landung neben der Rollbahn im Erdreich steckenVON RAINER W.DURING UND WERNER SCHMIDT BERLIN.Vermutlich durch einen Fehler des Piloten einer Air-France-Maschine wurde gestern der Flughafen Tegel für über vier Stunden lahmgelegt.Der Pilot der gegen 9.10 Uhr gelandeten Maschine aus Paris setzte die "Boeing 737-500" mit 61 Passagieren an Bord in den Dreck.Verletzt wurde niemand.Im nassen, feuchten Erdreich an der Abzweigung des Zubringers zum Flughafengebäude blieb sie stecken und blockierte die einzige noch vorhandene nördliche Landebahn.Der Pilot einer nachfolgenden Lufthansa-Maschine mußte wegen des unerwarteten Hindernisses die Landung abbrechen. Erst gegen 13.30 Uhr, nachdem sieben Tonnen Treibstoff abgepumpt worden waren, konnte das Flugzeug geborgen werden, und der Betrieb in Tegel normalisierte sich wieder.Bis dahin wurden alle ankommenden Flugzeuge nach Schönefeld und - einige wenige - auch nach Tempelhof umgeleitet. Zeugenaussagen zufolge hatte der Pilot möglicherweise zuvor die letzte freie Abzweigung des Taxiways vor dem Ende der Landebahn verpaßt und dann eilig versucht, sein Flugzeug noch auf Kurs zu bringen, was im Seitenstreifen endete.Wäre er weiter gerollt, hätte er die "Boeing" wenden müssen.Alle nachfolgenden Abzweige sind wegen Bauarbeiten gesperrt. Der Pilot der französischen Maschine gab dagegen zu Protokoll, die Bremsen der Maschine hätten versagt.Die Flugunfalluntersuchungstelle (FUS) will den Flugdatenschreiber und den Cockpit Voice Recorder, der die Gespräche der Piloten aufzeichnet, auswerten, um die Unfallursache festzustellen.Dazu aber ist die Erlaubnis der Air France notwendig, da die Maschine nicht in Deutschland registriert ist.Vertreter der Fluggesellschaft wurden in Berlin erwartet. Die Air France Maschine stand etwa 20 Meter weit neben der Landebahn im Gras; Teile des Flugzeugs ragten in die Piste.Da die südliche Landebahn bereits seit längerem wegen Bauarbeiten gesperrt ist, war der Flugverkehr in Tegel mit diesem Unglück vorerst lahmgelegt. Aber bereits gegen 11 Uhr konnten zumindest Flugzeuge wieder starten, wenn auch auf einer verkürzten Startbahn.Bis die im Dreck steckengebliebene Maschine geborgen worden war, vergingen aber noch weitere zweieinhalb Stunden.Das hatte Folgen: Allein die Lufthansa mußte sieben ankommende und 14 abgehende Flüge streichen.Betroffen waren etwa 3000 Passagiere.Den ihr entstandenen Schaden bezifferte ein Sprecher der Lufthansa gestern auf mehrere hunderttausend Mark. Die am meisten betroffenen Fluggesellschaften, die Lufthansa (rund 200 Flüge von Tegel pro Tag) und die Deutsche BA, richteten für ihre Fluggäste einen Shuttle-Verkehr zwischen Tegel und Schönefeld ein.Andere der unerwartet in Schönefeld gelandeten Passagiere setzten ihren Weg mit dem Taxi fort.Die Taxifahrer reagierten nach Auskunft eines Flughafensprechers prompt auf die Ausnahmesituation und waren in ausreichender Zahl vorhanden.BVG und S-Bahn registrierten keine erhöhten Fahrgastzahlen.

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