Platz da! : Folge 10: Der Don-Ugoletti-Platz

Grünau fehlt es an zentrumstauglichen Orten. Der Don-Ugoletti-Platz wäre ausbaufähig . Doch der Bezirk Treptow-Köpenick hat nicht vor, für den sozial intakten Ortsteil Geld auszugeben.

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Die Friedenskirche am Don-Ugoletti-Platz in Grünau.
Die Friedenskirche am Don-Ugoletti-Platz in Grünau.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Grünau hat sich auf den Weg gemacht, aber es geht nur langsam voran. Ob der Köpenicker Ortsteil wieder an seine große Vergangenheit anknüpfen kann, ist ungewiss. Bis zum Zweiten Weltkrieg war Grünau durch seine Ruderregatten berühmt, bei den Olympischen Spielen 1936 wurden hier die Kanu- und Ruderwettbewerbe ausgetragen. Damals hatte der Ort am Wasser eine ähnliche Reputation wie Wannsee. In der DDR begann eine Vernachlässigung, die bis heute an zahlreichen Bauruinen nachweisbar ist. Auch dem Don-Ugoletti-Platz an der Grünauer Friedenskirche ist anzusehen, dass er seit Jahren sich selbst überlassen ist.

Hinter der Friedenskirche ballen sich Bäume und Sträucher zu einem undurchdringlichen Dickicht. An der Westfront der Kirche verstellt eine Heckenbarriere den Blick. Und dann sind da noch die wuchernden Gehölzbeete als Grenzstreifen zur Straße. Die Natur stellt sich dem Menschen fast überall störend in den Weg. Es fehlt die ordnende Hand des Gärtners.

Der Don-Ugoletti-Platz ist streng genommen nur die gepflasterte Vorfahrt der Grünauer Friedenskirche. Doch die grünen Flanken sollte man dazudenken, denn ohne sie hätte der Platz keine Chance, sich zu entfalten. Er ist ein zentraler Ort, vielleicht das heimliche Zentrum von Grünau, nur fehlen ihm dazu noch die höheren Weihen. Den Don-Ugoletti-Platz gibt es erst seit 2008. Damals wurde der Sackgassenstummel der auf die Kirche zuführenden Eibseestraße nach einem Pfarrer aus der italienischen Partnergemeinde von Treptow-Köpenick benannt. Es war ein Signal zur Aufwertung des Ortes – auch wenn anschließend nicht mehr viel passiert ist.

Die neoromanische Friedenskirche, erbaut 1906, ist ein architektonisches Einzelstück, das zum 100. Geburtstag saniert wurde. Das parkähnliche Drumherum ließ man dabei außer Acht, mit der Folge, dass die sanierte Kirche „wie in einem dunklen Loch“ verschwindet, wie es Pfarrer Ulrich Kastner beschreibt. Selbst tagsüber trifft das zu, nachts umso mehr, denn es gibt nur eine funzelige Laterne aus DDR-Produktion.

„Kein schöner Ort“, sagt Kastner. Ein Durchgangsort, an dem das Verweilen schwer fällt. Allenfalls Schüler oder jugendliche Pärchen nutzen die Bänke, um sich ungestört näher zu kommen. Dass die Mitglieder der Kirchengemeinde selber Hand anlegen, um den Park umzugestalten, sei im Bezirksamt nicht erwünscht, klagt Kastner. Das Grundstück gehöre überwiegend dem Bezirk, die Kirche ist nur auf den drei Metern rund um das Gebäude Grundherrin.

Der Don-Ugoletti-Platz lässt sich aktuellem Anschein nach als bequeme Park- und Ladezone für Kirchgänger und -lieferanten interpretieren. Dabei hat der Platz eine wichtige Funktion in Grünau. Hier werden der Weihnachtsmarkt und das Fest zum Schulanfang veranstaltet. Die Kirchengemeinde versteht die Feste als Angebote an alle Grünauer, auch die kirchenfernen.

Im Plätzeprogramm des Bezirks rangiert der Don-Ugoletti-Platz von der Priorität her im hinteren Drittel, räumt Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) ein. Der Platz sei eben einer von vielen im Bezirk, und Grünau habe eine intakte Sozialstruktur. Das wenige Geld, das dem Bezirk zur Verfügung steht, wolle man lieber in sozial problematische Viertel wie Niederschöneweide investieren. Auch viele Alt-Grünauer empfinden die vernachlässigten Plätze nicht als vordringliches Problem. Der Leiter des Wassersportmuseums, Werner Philipp, würde lieber das 1973 abgerissene „Sportdenkmal“ an der Dahme samt Platz wieder errichten. Dafür immerhin existiert ein eigener Förderverein. Erregungspotenzial hat auch die Wiederbelebung der „Riviera“, eines leer stehenden Ausflugslokals an der Regattastraße. Hier gab es immer wieder Hoffnung auf privates Engagement, aber jedesmal wurde sie enttäuscht. Die „Riviera“ könnte wieder Gäste von außerhalb nach Grünau locken, den Tourismus ankurbeln. Es fehlt an einem gelungenen Projekt, das andere nach sich zieht, sagt auch Baustadtrat Hölmer.

Etwas weiter nördlich der Friedenskirche steht eine weitere Erblast deutscher Geschichte: die Ruine des ehemaligen Undine-Vereinshauses. Das Haus wurde dem jüdischen Ruderverein 1938 von der SA entrissen, nach dem Krieg von der sowjetischen Militäradministration beschlagnahmt und später durch die DDR enteignet. Nach der Wende nutzte das Bezirksamt das Vereinshaus als Kita. Mit der Rückübertragung an eine jüdische Organisation musste die Kita ausziehen, das Haus stand einige Jahre leer und brannte schließlich aus, vermutlich nach Brandstiftung. Inzwischen ist es verkauft. Eine Immobilienfirma wirbt für künftige Eigentumswohnungen in der „Undine-Villa, direkt an der Dahme gelegen“. Die Geschichte des Hauses wird dabei ebenso wenig erwähnt wie die Tatsache, dass zwischen Haus und Wasser seit Jahrzehnten ein öffentlicher Park liegt. Auch an der Undine-Ruine verzögert sich der für 2011 vorgesehene Baustart.

Im Vergleich zum Don-Ugoletti-Platz wirkt der Undine-Park gepflegt. Es gibt einzelne Bauminseln, viel Licht und – besonders wichtig in Grünau wie anderswo – einen freien Zugang zum Ufer. Dennoch wirkt der Park seltsam unbelebt. „Am Wochenende ist da Totentanz“, sagt ein Neu-Grünauer.

5500 Bürger hat Grünau, und es werden mehr, trotz aller Probleme mit der Bausubstanz. Der Flughafen Berlin-Brandenburg soll dem gesamten Südosten der Stadt einen Schub bringen. Die zuziehenden Neubürger bringen aber auch eine Erwartungshaltung mit. Sie suchen nach attraktiven Plätzen, um sich mit ihrem neuen Heimatort identifizieren zu können.

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