Berlin : Pluta pleite? Mitarbeiter lassen die Köpfe hängen

Weiterer Teil des Gartenbauunternehmens steht vor der Insolvenz

Tanja Buntrock

Christa Naroska schiebt ihren vollgeladenen Einkaufswagen durch das Pluta-Gartencenter in Marienfelde: Blumenzwiebeln, den Beutel zu 50 Cent und Wildtulpen hat sie gekauft. Schließlich ist der Boden gerade nicht gefroren, „und da lohnt es sich“. Die 57-jährige Lichtenraderin ist Pluta-Stammkundin. Seit Jahren kauft sie in dem 1896 gegründeten Berliner Traditionsunternehmen. Dass ihr Lieblings-Gartencenter nicht mehr existieren könnte, kann sie sich kaum vorstellen. „Sehr bedauerlich wäre das“, sagt die Pflanzenliebhaberin.

Das sehen die Mitarbeiter genauso. Am Donnerstag erfuhren sie in einer Betriebsversammlung, dass der Firma das Aus droht. Pluta ist eine Unternehmensfamilie mit drei GmbHs: dem Garten- und Landschaftsbau (Gala), der Handels GmbH und dem Gartencenter. Bereits im November musste die Gala Insolvenz anmelden. Allen 42 Mitarbeitern ist zum 1. Januar gekündigt worden. Nun steht auch die Handels GmbH vor dem Konkurs: 100 Arbeitsplätze sind gefährdet. Allein das erst im März am Nahmitzer Damm eröffnete, gläserne Gartencenter mit 50 Mitarbeitern sei noch Gewinn bringend, sagt die Geschäftsführung. Doch wie lange, ist nicht sicher. Deshalb wandte sich die Belegschaft gestern in einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister. Sie bitten Klaus Wowereit um Hilfe.

„Wir wünschen uns, dass der Senat sich für die Erhaltung der Arbeitsplätze einsetzt und ein gutes Wort bei den Banken einlegt“, sagt Pluta-Sprecherin Franziska Kribben. Im Moment bekäme das Unternehmen keine Kredite von der Bank. „Diese würden uns aber über die momentane Durststrecke hinwegretten.“

Dass die Handels GmbH, deren Außendienstmitarbeiter hauptsächlich Großraumbüros bepflanzen, überhaupt in diese prekäre Lage gekommen ist, erklärt die Sprecherin so: Die „Folgekosten“ der Gala-Insolvenz seien sehr hoch gewesen, zudem habe „das Image“ des Unternehmens in Folge einer Protestaktion gelitten, finanzielle Einbußen seien die Folge gewesen.

Bei der Aktion verteilten im November Mitarbeiter der insolventen Gala Flugblätter an Kunden und Lieferanten, in denen sie schwere Vorwürfe gegen den Geschäftsführer Jian Zhou erhoben. Er habe die Gala „durch ideenreiche Tricks in die Insolvenz getrieben“, hieß es. Unter anderem sollen 600 000 Euro Beratungshonorar an seine Frau geflossen sein. Der chinesische Geschäftsmann hatte das Familienunternehmen vor zwei Jahren übernommen.

„Die Behauptungen sind unbewiesen und falsch, dennoch haben sie uns geschadet. Unser Image hat gelitten, auch bei den Lieferanten“, sagt die Sprecherin.

Steffen Gaspar, stellvertretender Leiter des Gartencenters befürchtet, „dass meine Abteilung in den Insolvenzstrudel mit reingezogen wird“. Noch größer sind die Ängste bei Corinna Witte. Sie arbeitet bei der Handels GmbH, ist seit 14 Jahren bei Pluta. „Wir haben schon von Problemen gehört, aber nach der offiziellen Verkündung waren wir regelrecht geschockt.“ Sie sei auf ihr Geld angewiesen, „auch wenn ich keine Kinder habe“. Dennoch: Nach einem neuen Job sähe sie sich nicht um. „Ich halte meiner Firma die Treue, ganz klar“. Selbst dann, wenn sie als Letzte das Licht ausmacht.

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