Berlin : Politiker fordern mehr Schutz für Polizisten

Nach den Schüssen auf Uwe L. wird eine bessere Eigensicherung diskutiert Der Täter ist weiterhin flüchtig. Mit Plakaten im Kiez werden Zeugen gesucht

Tanja Buntrock

Die Betroffenheit über diesen „feigen, verbrecherischen Anschlag“, wie es Peter Trapp (CDU) formulierte, war auch gestern beim parlamentarischen Innenausschuss im Abgeordnetenhaus zu spüren: Es ist der dritte Tag nach den Schüssen auf einen Polizisten in Neukölln am Freitagabend. Der Zustand des 42-jährigen Hauptkommissars Uwe L. war gestern unverändert: Er schwebt zwischen Leben und Tod; Hirnströme wurden nicht mehr gemessen.

Doch gibt es Möglichkeiten, wie sich Berliner Polizisten besser schützen können? Muss die Polizei ihr Eigensicherungstraining verstärken? Die SPD beantragte für die kommende Sitzung einen Diskussionspunkt zum Thema „Eigensicherung“, bei dem Polizeipräsident Dieter Glietsch präsentieren solle, wie die Polizisten geschult werden. Frank Henkel (CDU) sagte, „bei der steigenden Zahl der Angriffe auf Polizisten drängt sich das Thema geradezu auf“. Henkel forderte neben verbessertem Eigenschutz der Polizisten auch eine „härtere Gangart gegen den Drogenhandel“. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schlug indes vor, „dass die Polizisten künftig nur noch mit gezogener Waffe Kontrollen machen“, sagte Sprecher Klaus Eisenreich.

Wie berichtet, war der Polizist Uwe L. am Freitagabend von einem Unbekannten ohne Vorwarnung in der Fontanestraße niedergeschossen worden. Zuvor hatte er zusammen mit zwei Kollegen, mit denen er auf Zivilstreife war, den Mann routinemäßig kontrollieren wollen. Nachdem Uwe L. den Mann angesprochen hatte, eröffnete dieser das Feuer und flüchtete. Glietsch betonte, dass die Berliner Polizei sehr viel in Sachen Eigensicherungstraining tue und im Bundesvergleich damit „weit vorn“ liege. Die Beamten würden mindestens dreimal im Jahr drei Stunden an einer ausgiebigen Schulung teilnehmen. Anfragen, ob wegen verschiedener Demonstrationen am Freitag nicht genügend Polizeibeamte als Verstärkung zum Tatort geschickt werden konnten, wies Glietsch deutlich zurück. Es könne keine Rede davon sein, dass der Einsatz wegen Kräftemangels nicht professionell ablaufen konnte, sagte Glietsch. „Ich war selbst dort. Ich weiß von keinem Einsatz, bei dem schneller Beamte vor Ort waren.“ 100 Polizisten seien sofort aus Einsätzen bei Demonstrationen herausgelöst und zur Hasenheide abkommandiert worden.

Die Großfahndung nach dem Schützen läuft weiter. Die Mordkommission hat einen weiteren Zeugen gehört, der während der Tat im gegenüberliegenden Haus am Fenster stand. Details wollte Chefermittler André Rauhut nicht nennen. Auch werden die Beamten weiter Lokale und Spielsalons aufsuchen, um Zeugenaufrufe zu verteilen und Gäste zu befragen. Ab heute sollen im Kiez mehrsprachige Plakate geklebt werden. Anwohner und Polizeibeamte legten gestern Blumen und Kerzen in Gedenken an Uwe L. am Tatort nieder.

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