Politischer Widerstand : Neue Gedenkstätte für "Stille Helden" eingeweiht

Sie riskierten ihr Leben, um verfolgten Menschen während der NS-Diktatur das Leben zu retten. Nach dem Krieg schwiegen sie aus Bescheidenheit. Jetzt ist den stillen Helden ein Denkmal gesetzt worden.

Berlin"Stille Helden" heißt die neue Gedenkstätte, die an Menschen mit Zivilcourage zu Zeiten des Nationalsozialismus erinnern soll und am Montag in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Dokumentiert werden rund 250 Schicksale von Deutschen, die verfolgten Juden im Zweiten Weltkrieg ein Versteck vor der Deportation geboten haben. In Deutschland hätten auf diese Weise etwa 5000 Juden überlebt, davon 1700 in Berlin, sagte der Leiter der Gedenkstätte, Johannes Tuchel.

Die Schau befindet sich im Areal der Hackeschen Höfe in Mitte und zeigt Originaldokumente, Berichte und Fotos der Betroffenen. Im Jahre 2004 hatte die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand das Gebäude in der Rosenthaler Straße erworben, in dem sich auch die historischen Räume der Blindenwerkstatt Otto Weidt befinden. Dort arbeiteten während des Nationalsozialismus hauptsächlich blinde Juden unter dem Schutz des Fabrikanten Weidt. Tuchel sagte, viele der Helfer hätten aus Bescheidenheit bisher geschwiegen. Angesichts der langen Zeit, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen ist, werde es immer schwieriger, stille Helden auszumachen.

Geglückte und gescheiterte Rettungen

Neben geglückten Rettungen würden auch gescheiterte Hilfsversuche dokumentiert. Bislang seien die Namen von 3000 Rettern und 3000 Geretteten bekannt. Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz betonte, die Schau vermeide ausdrücklich Stereotypen von aktiven Rettern und passiven Geretteten. Vielmehr sei die Entscheidung für einen Gang in den Untergrund vor allem zu Zeiten des Krieges "eine gehörige Leistung" gewesen. Die Ausstellung soll in den nächsten Jahren mit europäischen Schicksalen erweitert werden. Die Gedenkstätte "Stille Helden" ist täglich zwischen zehn und 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. (bai/ddp/dpa)

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