Berlin : Polizei: PRO von Fatina Keilani

Die Polizei dieser Stadt ist nicht mit ihren Aufgaben gewachsen. Immer weniger Beamte müssen seit dem Fall der Mauer und dem Regierungsumzug immer mehr Aufgaben bewältigen. Früher, als Berlin noch eine geschlossene Stadt war, gab es hier die größte Polizeidichte der Bundesrepublik. Jetzt, wo die vielen Menschen endlich etwas zu tun hätten, werden ihre Stellen wegen der klammen Finanzlage eingespart.

Zum Thema Ted: Braucht Berlin mehr Polizisten? Der kleine Stadtstaat Bremen hat fast gleich viele Beamte wie Berlin - pro 217 Bürger einen, Berlin pro 206. Aber Bremen ist nicht Hauptstadt, Berlin schon. Mehr als 1000 Demonstrationen schützt die Polizei hier jedes Jahr, mehr als 500 Gebäude bewacht sie jeden Tag. Für die Verhinderung von Straftaten, Stichwort Prävention, und für die Verbrechensaufklärung und -bekämpfung bleiben kaum Ressourcen. Dabei ist Berlin nicht nur für Demonstranten, sondern zunehmend auch für Kriminelle attraktiv. Auch politische Attentate sind eher auf Berlin zu befürchten, als - beispielsweise - auf Bremen, darüber sind Experten einig.

Präventiv handeln kann aber nur, wer dazu fähig ist. Die Berliner Polizei mit ihren rund 17 500 Sollstellen - tatsächlich sind davon 1000 nicht besetzt - ist dazu schon seit langem nicht mehr in der Lage. Die Beamten schieben Abertausende von Überstunden vor sich her. Darunter leiden auch ihre Familien - und letztlich die Motivation. Wer eine effiziente Polizei verlangt, muss ihr ausreichend Geld und Personal geben. Das muss nicht heißen, dass mit Steuergeld ein aufgeblähter Apparat gemästet werden soll. Es spricht ja nichts gegen scharfes Controlling. Aber eine gute technische und personelle Ausstattung kann sich auch immateriell bezahlt machen - in einem Motivationsschub der Beamten. Und letztlich in mehr Sicherheit.

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