Polizei : Razzia gegen Kreditkartenfälscher

Rund 100 Polizisten und ein Spezialkommando durchsuchten am Donnerstag Morgen 27 Wohnungen, sechs Männer wurden verhaftet.

Tanja Buntrock

BerlinSie fälschten Kreditkarten, kauften damit im großen Stil ein und spähten die Daten von Kreditkartenbesitzern aus. Schon seit einem halben Jahren ist die Polizei den Betrügern auf der Spur, gestern ging sie mit einer großangelegten Razzia gegen die Bande in Berlin und Brandenburg vor. 27 Wohnungen wurden durchsucht, die meisten im Ostteil der Stadt, eine in Potsdam und eine in Oranienburg. Dabei wurden fünf Vietnamesen und ein Deutscher im Alter von 22 bis 52 Jahren verhaftet. Der Schaden, der durch die Taten entstanden ist, soll im sechsstelligen Bereich liegen.

Rund 100 Polizeibeamte und ein Spezialeinsatzkommando (SEK) rückten am frühen Donnerstagmorgen zu dem Einsatz aus. Vier Stunden lang durchsuchten sie die Wohnungen. Ein 22-jähriger Vietnamese soll der Anführer der Betrügerbande sein. Das SEK brach die Tür seiner Plattenbauwohnung in der Biesenbrower Straße in Neu-Hohenschönhausen auf und nahm ihn dort fest. In der Siegfriedstraße in Lichtenberg fassten die Fahnder zwei 31 und 35 Jahre alte Vietnamesen. In weiteren Wohnungen nahmen die Beamten zudem einen 22-jährigen Deutschen und zwei 51 und 52 Jahre alte Vietnamesen fest.

Bei der Großrazzia beschlagnahmten die Beamten neben „umfangreichen Beweismitteln“ auch Computer und Bargeld, wie eine Polizeisprecherin bestätigte. Die Bande soll auf verschiedene Arten und Weisen betrogen haben: So wird den Mitgliedern vorgeworfen, zum einen die Daten von Kreditkartenbesitzern ausgespäht zu haben und damit hochwertige Elektroartikel, vorwiegend Computer und Flachbildschirme, im Internet gekauft zu haben.

"Dummheit schützt vor Strafe nicht"

Zum anderen hätten sie mit Kreditkartenrohlingen gefälschte Karten hergestellt und damit eingekauft. Die mit gefälschten Kreditkarten bestellte Ware ließen die Bandenmitglieder an ihre Helfer – sogenannte „Sitzer“ – liefern. Dabei handle es sich meistens um mittellose Deutsche, die gegen etwas Bargeld ihre Wohnung als Lieferadresse anbieten, sagte ein Ermittler. „Mehrmals am Tag gingen dort Lieferungen ein, die von den Tatverdächtigen bei den Sitzern abgeholt wurden.“ Die so erhaltenen Waren wurden dann originalverpackt zum halben Verkaufspreis innerhalb der vietnamesischen Gemeinde oder ins Ausland verkauft und teilweise auch selbst genutzt. Die Fahnder nahmen gestern auch 24 Helfer der Bande vorläufig fest. „Nach der erkennungsdienstlichen Behandlung kamen sie aber wieder frei“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Eine Polizeisprecherin betonte, dass sich auch die Käufer der billigen Ware strafbar machten. Das Argument, nicht gewusst zu haben, dass es sich um Hehlerware handelt, zähle nicht. „Dummheit schützt vor Strafe nicht“, sagte die Sprecherin.

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