Berlin : Polizei trieb Hooligans mit Schlagstöcken auseinander

Unioner randalierten nach Amateurspiel und bedrohten Rudower

André Görke

Die Polizei war auf die Schlägerei vorbereitet, und sie wusste, wo sie stattfinden sollte. Als nun am Sonntagnachmittag die Amateurmannschaft des 1. FC Union in der fünftklassigen Fußball-Verbandsliga gegen den TSV Rudow spielte, war es soweit: Gegen 14.40 Uhr attackierten die Union-Hooligans die gewaltbereiten Fans aus Rudow. Die „Ermittlungsgruppe Hooligan“ der Polizei ging mit Schlagstöcken dazwischen und konnte neun Union-Hooligans festnehmen. Da weitere an der Tat beteiligte Männer der Ermittlungsgruppe bekannt sind, wird jetzt gegen insgesamt 20 Personen ein Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch eingeleitet.

Die Randale hatte ein Vorspiel: Vor fünf Wochen war es bereits bei einem Hallenturnier in der Sömmeringhalle in Charlottenburg zu Ausschreitungen zwischen Rudowern und Union-Hooligans gekommen. Damals hätten 40 Union-Hooligans versucht, etwa zehn Rudower anzugreifen, erzählt ein Beamter. Die Rudower haben damals die Unioner zuvor mit Gesängen provoziert. Vor der Sömmeringhalle und am U-Bahnhof Mierendorffplatz konnte die Polizei aber eine Schlägerei verhindern. „Wegen der damaligen Vorkommnisse haben wir auch an diesem Wochenende Ausschreitungen befürchtet“, sagt ein Beamter. Von den 20 Personen, gegen die nun ermittelt wird, gehören vier Männer zur „Kategorie C“. Diese sind der harte Kern der Hooligans, der als stark gewalttätig gilt. Die 16 anderen Männer werden von der Polizei in der „Kategorie B“ geführt, diese neigen nur bedingt zur Gewalt.

Der TSV Rudow spielt zwar in der fünften Liga – seine Hooligans aber sind seit zwei Jahren in der Szene ein Begriff. Bei der Polizei gelten sie als „Doppelgänger“, da sie auch Bundesligaspiele von Hertha BSC besuchen. Der Großteil der etwa 80 Hertha-Hooligans kommt aus dem Süden Berlins, zur anerkannten Hertha-Szene gehörten die Rudower aber nicht, berichtet ein Szenekenner. „Die Rudower werden bei Hertha nicht akzeptiert. Das sind Spinner, absolute Nazis.“ Manche hätten Kontakt in die rechtsradikale Szene. Trotzdem: Gegen sie wird jetzt nicht ermittelt, da sie am Sonntag passiv blieben.

Als fünf Rudower Hooligans vorzeitig den Sportplatz an der Hämmerlingstraße verließen, seien die 25 Unioner losgerannt, sagt ein Beamter. Die Ermittlungsgruppe Hooligan war mit fünf Beamten in Zivil angetreten. „Da wollten sich einige junge Unioner profilieren“, sagt ein Beamter. Die festgenommenen Männer sind zwischen 16 und 26 Jahre alt. Fünfzig Hooligans werden dem 1. FC Union zugeordnet.

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