Polizei und soziale Medien : Brandenburgs Polizei ist nun auch bei Facebook

Viele rechtliche Fragen waren zu klären. Nun geht die Fanseite der Polizei Brandenburg bei Facebook online. Auch der Fall des vermissten Elias spielt eine Rolle. Ein Besuch.

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Jetzt auch bei Facebook: Anja Resmer (l.) und Stefanie Neumann haben das Projekt aufgebaut.
Foto: Alexander Fröhlich

Das Buschkänguru, das die Polizei am Dienstag in Teltow-Fläming stundenlang auf Trab gehalten hat, hätte es sicherlich auf die Facebook-Seite geschafft. Oder die Kontrollen am Sonntagmorgen an der Autobahn in Stolpe (Oberhavel), um nach der Techno-Party „Zug der Liebe“ Autofahrer auf Alkohol und Drogen zu kontrollieren. Aus einem kleinen Büro in Potsdam-Eiche geht Brandenburgs Polizei am heutigen Donnerstagnachmittag auch in den sozialen Medien ins Internet. Die beiden Beamtinnen Anja Resmer und Stefanie Neumann haben seit Frühjahr 2014 daran gearbeitet. Am Donnerstagnachmittag wird die Fanseite der Polizei Brandenburg bei Facebook freigeschaltet.

Rechtlichen Hürden durch den Datenschutz

Was für viele, vor allem für jüngere Menschen, eine Selbstverständlichkeit ist, bedarf bei Behörden umfangreicher Abstimmungen. Rechtliche Hürden etwa beim Datenschutz mussten geprüft und das Team der Pressestelle des Präsidiums sowie der Lagedienst geschult werden. So dürften Fahndungsbilder nicht direkt bei Facebook zu sehen sein, sondern nur auf der verlinkten Internetseite der Polizei selbst. Sensible Daten dürfen nur auf eigenen, sicheren Servern gespeichert sein.

In Berlin hat sich eine Projektgruppe mit dem Namen „Neue Medien“ seit zwei Jahren damit befasst, wie die Behörde die Social-Media-Kanäle Facebook und Twitter zur Präsentation nutzen kann. Mittlerweile sind etliche Polizeibehörden auf Facebook oder Twitter unterwegs.

Vorerst sind maximal drei Posts pro Tag geplant

In Brandenburg will die Polizei mit Facebook zunächst drei Monate lang Erfahrungen sammeln und dann den Auftritt weiter entwickeln. Täglich sind bislang bis zu drei Posts geplant. Dabei sollen nicht nur Einsätze wie bei der Känguru-Suche oder größere Verkehrskontrollen auf der Facebook-Seite zu finden sein. Auch Präventionsthemen, also Tipps gegen Einbrüche oder zum Verhalten im Straßenverkehr, gehören dazu. Oder ausgewählte Pressemitteilungen aus den vier Direktionen und dem Polizeipräsidium. „Dabei geht es auch um das Image der Polizei“, sagt Resmer.  Die Fachhochschule der Polizei ist schon eine Weile bei Facebook und wirbt dort um Nachwuchs und Bewerber, stellt aber auch erfolgreiche Sportler der Polizei oder eigene Experten vor.

Die Brandenburger Polizei will zudem wie die Berliner Behörde bei Twitter einen eigenen Kanal für Nachrichten und aktuelle Einsätze einrichten. Wann genau, ist noch nicht entschieden. Fest steht bislang, dass Brandenburgs Polizei dann "anlassbezogen" über Einsätze twittert. Wobei die Beamten auch wissen, dass die Lage im Flächenland Brandenburg und auch das Nutzerverhalten völlig anders sind. In Berlin nutzt die Polizei ihre beiden Twitterkanäle überaus intensiv, dazu gehören auch Twitteraktionen, bei den 24 Stunden lang live alle Notfalleinsätze gemeldet werden.

Neue Erfahrungen mit Facebook im Fall Elias

Auch die Erfahrungen aus dem Fall des seit drei Wochen vermissten sechsjährigen Jungen Elias aus dem Potsdamer Stadtteil Schlaatz sollen beim Facebook-Auftritt berücksichtigt werden. Dabei war über privat eingerichteten Facebook-Gruppen nicht nur die Suche durch freiwillige Helfer organisiert worden, sondern es fanden sich auch zahlreiche Gerüchte, die die Stimmung zusätzlich angeheizt haben. Der Vorsitzende der Initiative Vermisste Kinder, Lars Bruhns, hatte deshalb gegenüber den PNN gefordert, die Polizei solle selbst aktiver im Internet sein und die Kommunikation steuern. Soweit wird es nun nicht kommen. Hinweise bei der Suche nach Vermissten sollen weiterhin direkt an die Polizei gehen.

Zumindest aber könnten über Facebook, gerade wenn die Gerüchteküche hochkocht, deutliche Stellungnahmen der Polizei veröffentlicht werden, sagt Resmer. Parallel wird derzeit die Seite der Polizei „Internetwache“ überarbeitet. Eine Brandenburger Polizei-App für Mobiltelefone gibt es bereits, damit kann man Dienststellen, aber auch aktuelle Polizeimeldungen und -fahndungen oder Warndienste zum Verkehr und Informationen zur Waldbrandwarnstufe finden.

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