Berlin : Polizei wird multikultureller

Verstärkung aus türkischen Einwandererfamilien

Tanja Buntrock

Erdogan Yildirim würde sich bei einem Einsatz in einer muslimischen Wohnung sogar die Schuhe ausziehen. „Wenn keine Gefahr im Verzug ist und es die Situation entspannen würde, tue ich auch das“, sagt der Polizist. Mehr Polizisten wie Yildirim, der aus einer türkischen Einwandererfamilie stammt, wünscht sich Polizeipräsident Dieter Glietsch – weil es in Berlin viele Ausländer gibt. „Die Akzeptanz der Polizei ist größer, wenn Menschen aus Einwandererfamilien feststellen, dass sie in der Behörde vertreten sind“, sagt Glietsch.

Yildirim, 25, ist seit dem 1. Juni mit vier weiteren türkischstämmigen Kollegen bei der Polizei. Sie sind wie die insgesamt 61 Absolventen ihres Lehrgangs im mittleren Dienst keine Beamten, sondern Angestellte mit einer Zweidrittel-Stelle. Grund ist die Finanznot des Landes, die keine andere Möglichkeit zugelassen habe. Bis 2008 sollen alle Angestellten zu Beamten auf Probe werden. Mit dieser „rechtsverbindlichen Zusicherung“ starten die Neuzugänge ihre Laufbahn. Wie alle Polizisten sind sie Deutsche. Wie viele Polizisten aus Einwandererfamilien es in Berlin insgesamt gibt, konnte der Polizeipräsident daher nicht sagen. „Man könnte nur aufgrund der Namen Rückschlüsse ziehen, und das führt nicht zum richtigen Ergebnis.“

Yildirim, geboren und aufgewachsen im Wedding, hat nach der Realschule eine Ausbildung als Bürokaufmann abgeschlossen, dann Abitur gemacht und sich auf der Polizeischule beworben. „Auch, weil der Job allgemein als sicher gilt“, gibt er zu. Die Anforderungen habe er „mit Fleiß und Disziplin“ geschafft, sagt er selbstbewusst. Nun fährt er in Tiergarten Streife. „Bislang ohne größere Einsätze – aber das kommt auch noch.“

Seine Kollegin Derya Kuru, 21, wurde im Objektschutz übernommen. Zuletzt stand sie vor der britischen Botschaft in Mitte. Sorge, dass türkischstämmige Jugendliche, die oft ein Problem mit der Polizei haben, sie als „Verräterin“ bezeichnen könnten, hat sie nicht. „Damit muss ich dann leben.“

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