Berlin : Polizeipräsident: Junge Ausländer immer brutaler

Migranten fallen überdurchschnittlich häufig als Gewalttäter auf. Trend hat sich weiter verschärft

Tanja Buntrock,Hannes Heine

Die Tendenz ist offensichtlich: Jugendliche mit Migrationshintergrund werden häufiger kriminell und gehen dabei offenbar immer brutaler vor. Nach dem Übergriff einer Gruppe türkischer und arabischer Jugendlicher auf einen Kriminalbeamten bei einem Schulfest am Freitag sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch: „Die Gewaltkriminalität junger Menschen, insbesondere junger Männer nichtdeutscher Herkunft, nimmt zu. Die Täter werden hemmungsloser, sie machen rücksichtslos von Waffen Gebrauch, die Taten werden gefährlicher und richten sich auch gegen Polizeibeamte.“

Bereits bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2005 im vergangenen Jahr hatte die Polizei auf den „besorgniserregenden Zustand“ hingewiesen, dass jeder dritte Jugendliche nichtdeutscher Herkunft straffällig wird. Bei den Deutschen ist es jeder achte. Dieser Trend hat sich nach Tagesspiegel-Informationen auch im Jahr 2006 fortgesetzt. Aktuelle Zahlen will die Polizei nicht nennen, da diese noch ausgewertet würden. Die Statistik werde demnächst offiziell vorgestellt.

„Wenn ich die Akten zu den Straftaten lese, haben die jugendlichen Täter fast immer ausländische Namen – selbst, wenn sie einen deutschen Pass haben“, bestätigte ein leitender Polizeibeamter. Laut Polizeistatistik 2005 waren unter den Nationalitäten die Türken deutlich an der Spitze der Jugendgewalt. Doch gemessen am Bevölkerungsanteil werden die jungen Männer aus dem Libanon – meist Palästinenser - am häufigsten kriminell. Die Gründe dafür seinen „vielschichtig“, sagt der leitende Beamte. Seiner Erfahrung nach liege das Problem vor allem in der Familienstruktur. „Zu Hause stehen die jungen Männer unterm Pantoffel: Der Vater ist der Chef, da dürfen sie nicht aufmucken.“ Deshalb ließen sie oftmals ihren Frust draußen auf der Straße ab und dies gemeinsam mit gleichaltrigen Landsleuten. Wie der Beamte sagte, hätten die Eltern dieser arabischen Jugendlichen größtenteils keine Arbeit. „Die Jugendlichen sehen sich ohne Perspektive in der Gesellschaft“, sagt der Beamte. So sei es nicht verwunderlich, dass sich die jungen Männer oftmals an den kriminellen Erwachsenen arabischer Familienclans orientieren. „Die machen ihre illegalen Geschäfte und verdienen damit viel Geld. Zudem hätten vor allem die arabischen Jungen „nie richtig Grenzen aufgezeigt bekommen“. So wüssten schon kleine Kinder, dass man erst mit 14 Jahren strafmündig ist. „Außerdem bekommen die mit, dass das Jugendstrafrecht darauf abzielt, ihnen eine Chance zu geben“, sagt der Beamte. Das führe dazu, dass sie das Gefühl bekämen: Selbst wenn man von der Polizei festgenommen werde, passiere am Ende nicht viel. Ein Jugendrichter am Landgericht bestätigt ebenfalls, dass der hohe Anteil jugendlicher Straftäter aus Einwandererfamilien „erschreckend“ sei. Jugendrichter müssten „sehr entschieden und klar Grenzen setzen“. Seiner Ansicht nach passiere das auch: „Schließlich platzt der Jugendknast aus allen Nähten.“

Auch die Präventionsarbeit müsse viel früher ansetzen, fordert der deutsch-palästinensische Quartiersmanager Fadi Saad. Der 27-jährige Sozialarbeiter berichtete von 13-jährigen Jungen, die sich bereits durch Schlägereien als Cliquenchefs behaupteten. Aufgrund ihres Aufenthaltsstatus hätten viele Schulabgänger keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Der Migrationsexperte Frank Gesemann bestätigt das. Er beobachtet, dass vor allem Flüchtlingskinder aus dem palästinensischen Raum schlecht integriert sind und häufiger Kontakt mit der Polizei haben. Hier sei mehr präventive Sozialarbeit nötig. Darüberhinaus müssten die Betroffenen bessere Bildungsangebote bekommen.

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