Polizeiwache 42 : Rock it, Herr Hauptkommissar!

Am Samstag tritt die Polizeiband „Hundertzehn“ in Kreuzberg auf - um Gewalt am 1. Mai zu verhindern

Tanja Buntrock
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Die Rock-Bullen im EinsatzFoto: Mike Wolff

Der Bass dröhnt aus dem Keller. Dumpf kriecht er nach oben in die Räume der Schöneberger Polizeiwache 42, wo gerade Schichtübergabe ist. Je weiter man die Stufen zum Keller hinuntersteigt, desto klarer wird der Sound, bis sich daraus ein kreischendes "Born to be w-i-i-i-ld“ formt.

Es ist Probenzeit. In dem kleinen, stickigen Heizungskeller der Wache an der Hauptstraße üben die Musiker der Polizei-Rockband "Hundertzehn“ für den Auftritt am heutigen Samstag im "Statthaus Böcklerpark“ in Kreuzberg. Hundertzehn – das sind fünf Männer und zwei Frauen, zwischen 30 und 60 Jahre alt. „Echte Polizisten, von der Obermeisterin bis zum Hauptkommissar ist alles vertreten“, sagt Marcel Schommer, 32. Er ist so etwas wie der Manager und Sprecher der Band. Tagsüber sitzt er im Beraterstab des Direktionsleiters. Seine Musikerkollegen Michael (Gesang, Gitarre), Eileen (Gesang), Martina (Saxophon), Rainer (Bass) und Udo (Gitarre) fahren Funkwagen oder bearbeiten Anzeigen auf verschiedenen Polizeiwachen. Nur Drummer Peter Petrowitz hat damit nichts mehr zu tun. Mit 60 ist er Pensionär. Die Uniform zieht er sich nur noch für die Live-Auftritte an. Eine Rockband in Uniform? "Smoke On The Water“ in Grün-Beige? "Ja, klar“, sagt Schommer und schultert sein Keyboard. "Das finden die Leute besonders gut. Es überrascht sie.“

Keine Prügel-Cops

Und das soll es auch. Es ist das Konzept von Hundertzehn. Rock-Bullen, statt Prügel-Cops. "Die Leute sehen so, dass die Polizei nicht nur aus behelmten Beamten besteht“, sagt Saxophonistin Martina. Die Combo gibt’ s seit zwei Jahren. Früher, in etwas anderer Besetzung, hieß sie noch "Solid Rock“. Der neue Bandname sollte irgendwie mit Polizei zu tun haben. Was soll man machen, wenn "The Police“ schon besetzt ist?

Die Setlist für den Auftritt reicht von Neil Youngs "Rockin’ in the free world“ über Westernhagens "Sexy“ bis zu Metallicas "Nothing else matters“. "Wir spielen Stücke, die die Leute kennen, damit Stimmung aufkommt“, sagt Schommer. Bis zu zehn Live-Auftritte im Jahr hat die Band. Meistens auf Präventionsveranstaltungen der Polizei.

Nun naht der 1. Mai in Kreuzberg. Damit die alljährlichen Krawallrituale ausbleiben, steht das heutige Rockkonzert unter dem Motto: "Rock it – Direktion 5 gegen Gewalt." Eine Polizeirockband mitten im Kiez, den die linke Szene für sich beansprucht – "so etwas wäre vor fünf Jahren noch nicht möglich gewesen“, sagt Schommer. Und erst Recht nicht 1981, als das Lied "Polizisten“ von der Band "Extrabreit“ erschien: "Polizisten speichern, was sie wissen elektronisch ein / alles kann ja irgendwann und irgendwie mal nützlich sein / Polizisten wissen, was zu tun ist, denn sie haben Funkverkehr / Tag und Nacht wird sie bei dir sein, die Polizeieieiei…“

Die Band freut sich schon, das Lied heute in Kreuzberg zu bringen. Tanja Buntrock

"Hundertzehn“ am Sonnabend ab 17 Uhr im Statthaus Böcklerpark, Prinzenstraße 1. Eintritt frei.

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