Berlin : Postraub mit der Polizei im Schlepptau

Angeklagte gestanden Überfall in Hamburg

Kerstin Gehrke

Berlin - Im gemieteten Mercedes rasten Imad El-K. und Nenad H. für einen Banküberfall nach Hamburg. Doch sie ahnten nicht, dass Berliner Polizisten sie verfolgten. Noch bevor die beiden Räuber ihre Beute zählen konnten, wurden sie festgenommen. Sechs Monate nach dem Überfall auf eine Postbankfiliale in Altona begann gestern der Prozess gegen die 23 und 24 Jahre alten Täter. Vor allem mit dem Libanesen Imad El-K. hatte es die Justiz in den vergangenen Jahren immer wieder zu tun. Eigentlich habe er nach einer Haftentlassung im Herbst 2006 sein Leben neu ordnen wollen, erklärte sein Verteidiger.

Am 3. März wollten sie auf einen Schlag reich werden. Als sie in Hamburg angekommen waren, wechselten die Räuber das Nummernschild. Wenig später trat einer der Täter gegen die Tür der Filiale, beide drangen dann – maskiert mit Sturmhauben und bewaffnet mit einer täuschend echt wirkenden Softair-Waffe – in den Vorraum ein. Eine Mitarbeiterin wollte gerade die Geldautomaten auffüllen. Einer der vermummten und dunkel gekleideten Männer richtete die Waffe auf ihren Kopf. „Ich sah direkt in die Mündung“, sagte die 62-Jährige später. Sie erlitt einen schweren Schock und befindet sich bis heute in Behandlung.

Eine 29-jährige Polizistin stand etwa 30 Meter entfernt und war dem Geschehen damit am nächsten. Doch als die Observation an jenem Tag begann, sei eine solche Tat nicht vorhersehbar gewesen. Vom Vorgesetzten wurde entschieden: „Kein Zugriff.“ Es wäre zu gefährlich gewesen. „Ein Eingreifen hätte schnell in eine Geiselnahme umschlagen können“, erklärte später die Polizeiführung. „Wir durften auch keinen Schusswechsel auf der Straße riskieren.“ Sie wies damit den Bericht einer Boulevardzeitung zurück, dass die Polizei tatenlos „zugesehen“ habe. Die Räuber rasten zurück Richtung Berlin. Ein Zugriff auf das bis zu Tempo 230 rasende Fluchtauto war ausgeschlossen. Deshalb inszenierte die einen künstlichen Stau. Zweieinhalb Stunden nach dem Banküberfall nahm ein Spezialeinsatzkommando Imad El-K. und Nenad H. fest – mit 130 745 Euro im Auto. Die Männer aus Neukölln und Reinickendorf gestanden nun: „Die Anklage trifft zu.“ El-K. will unter Einfluss der Droge Tilidin gestanden haben. „Ich fühlte mich euphorisch und mutig.“ Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Kerstin Gehrke

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