Potsdamer Platz : Feuermänner rennen um die Wette

Erstmals sind Feuerwehrmänner am Potsdamer Platz bei der "Berlin Firefighter Challenge" gegeneinander angetreten . Die präparierte Strecke fand bei den internationalen Teilnehmern großes Lob. Ziel ist, die Hauptstadt als Ort für Weltmeisterschaften attraktiv zu machen.

Torsten Hilscher
Feuerwehrmänner
Ein Teilnehmer der "Firefighter Challenge" in Berlin auf dem Potsdamer Platz -Foto: ddp

BerlinDer Publikumsliebling der ersten "Berlin Firefighter Challenge" am Potsdamer Platz hat bereits nach einer Stunde festgestanden: Jenny Stolze, einzige weibliche Teilnehmerin dieser "Herausforderung für Feuerwehrmänner". Die aus dem brandenburgischen Zepernick stammende Feuerwehrfrau hatte sich an eine Strecke getraut, die die meisten untrainierten Männer überfordern würde.

Sie musste in voller Montur vier Stockwerke einen 20 Kilogramm schweren Schlauch hochtragen. Dann einen genauso schweren Schlauch an einem Seil emporziehen, Treppe wieder runter, einen 80 Kilogramm schweren Stahlblock mit Hammerschlägen eineinhalb Meter weit bewegen. Danach Slalom laufen, Zielspritzen mit einem Hochdruckschlauch und zum Schluss eine mannsschwere Puppe dreißig Meter weit schleifen. Das alles unter einer Atemmaske.

Weltmeisterschaft in der Hauptstadt?

Mehrfach schienen die Feuerwehrfrau die Kräfte zu verlassen. Nur frenetische Anfeuerungen der Zuschauer aus aller Herren Länder ließen sie bis zehn Meter vor dem Ziel durchhalten, ehe die Schiedsrichter die Tortur abbrachen. Aus Rücksicht auf Jennys Gesundheit. Dann war Unterstützung nötig. So sehr, dass selbst Landesbranddirektor Wilfried Gräfling zu Hilfe eilte, um der Zitternden und Keuchenden aus der Einsatzuniform zu helfen.

"Der Weltrekord für diesen Parcours liegt bei 1:24 Minuten", sagte Mitorganisator Mike Weikamm. "Ideale Bedingungen vorausgesetzt." Der in der Feuerwache Marzahn stationierte 33 Jahre alte Brandmeister weiß, wovon er redet. Im Februar 2006 holte er in Hongkong den Weltmeistertitel. Den ersten Berliner Wettkampf nach Regeln, die bislang vor allem von Feuerwehren in New York und London praktiziert wurden, bezeichnete er als "Testballon" für weitere Veranstaltungen dieser Art. Ziel sei ein Status, der die Berliner Ausgabe als Qualifikationsstandort für die regelmäßig stattfindenden Weltmeisterschaften zulasse.

Lob für Berlin

Die Chancen dürften nicht schlecht stehen. Nicht nur, weil die in Berlin präparierte Strecke den Teilnehmern zufolge "sehr anspruchsvoll" ist, sondern weil auch Kollegen aus ganz Deutschland, Polen, Schweden und von der US-Luftwaffen-Air-Base Spangdahlem bei Bitburg angereist waren. Deren Übungsleiter Gerd Müller zollte der Berliner Strecke Respekt. Er weiß, wovon er redet. Haben doch seine Feuerwehrmänner internationale Erfahrungen.

Hauptorganisator Friedrich Kircher freute das Lob. Auch der Leitende Branddirektor will die Berliner Veranstaltung nur zu gern jedes Jahr durchführen. Sogar das zuständige Bezirksamt Mitte-Tiergarten habe positive Signale gesandt, was in Deutschland wichtig sei. Denn anders als in den USA, wo schnell ein zentraler Platz für den dort populären Sport gesperrt würde, bereiteten hierzulande Genehmigungen viel Mühe. "Vor allem am Potsdamer Platz", sagte Kircher und schaute vielsagend. "Aber Times Square, Piccadilly Circus, Potsdamer Platz - das als Veranstaltungsort in einer Reihe zu hören, macht doch stolz." Die in Berlin erlebte Atmosphäre spreche für sich. Sieger wurde übrigens der US-Amerikaner Michael Hulcy von dem Team aus Spangdahlem, der die Strecke in 2:05 Minuten absolvierte.

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