Berlin : Prenzlauer Berg: Die soziale Infrastruktur ist noch nicht über den Berg

Annekatrin Looss

Die Anwohner waren enttäuscht. Zahlreich waren sie in die Kulturbrauerei gekommen, um dabei zu sein, wenn Stadtentwicklungssenator Peter Strieder, der Baustadtrat von Prenzlauer Berg, Andreas Bossmann, Barbara Oesterheld, baupolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, und Hartmut Häußermann, Stadtsoziologe an der Humboldt-Universität über die Zukunft der Stadterneuerung in Prenzlauer Berg diskutieren. Schnell war das Podium bei den altbekannten Problemen angekommen: zunächst dem Wegzug der Familien aus der Innenstadt und der Suche nach den Ursachen.

Oesterheld bemängelte, dass im Bezirk zwar fast 50 Prozent der Häuser inzwischen saniert seien, die soziale Infrastrukur - also Schulen, Kitas und Freiflächen - aber lediglich zu 15 Prozent erneuert sei. Das Gebiet sei für Familien schlechthin nicht attraktiv. Baustadtrat Bossmann machte außerdem die hohen Mieten als Grund für die Stadtflucht von jungen Familien aus. Ja, man müsse bei der Erneuerung der sozialen Infrastruktur einen Zacken zulegen, räumte Strieder ein, ohne konkrete Beispiele zu nennen. Immerhin kündigte er an, dass auch in den kommenden Jahren jeweils 100 Millionen Mark für die Entwicklung der sozialen Infrastruktur der Stadt zur Verfügung stehen werden. Allerdings müsse über die Verwendung des Geldes zentraler, also im Senat entschieden werden. Oesterheld dagegen forderte, die Anwohner stärker in die Entscheidung zur Verteilung der Mittel einzubeziehen. Schließlich habe schon das Quartiersmanagement gezeigt, wie gut diese Idee funktioniere. In den vergangenen Jahren seien im Fusionsbezirk Pankow für 67 Millionen Mark drei Schulen, eine Sporthalle, eine Kindertagesstätte und fünf Grünflächen erneuert worden, blickte Bossmann zurück und bemängelte gleichzeitig, dass der finanzielle Bedarf im Bezirk drei- bis viermal höher sei. Mehr Geld werde es in Zukunft nicht geben, deshalb werde man den Mitteleinsatz in Zukunft effektiver gestalten müssen, kündigte Strieder an.

Oesterheld forderte, in Zukunft zwar weniger zu fördern, dafür aber gezielter. Die Prioritäten seien dabei so zu setzen, dass Familien in der Innenstadt bleiben können. Außerdem sprach sie sich für eine stärkere Kontrolle der Verwendung der Fördermittel aus. Häußermann setzte sich dagegen für eine flexiblere Förderung ein. Es solle in Zukunft möglich sein, dass der Besitzer eines Objektes sowohl Eigentumswohnungen als auch sozial geförderte und Wohnungen zu freien Mieten anbieten zu können. Beide trafen mit ihren Vorschlägen auf Zustimmung beim Senator.

Dass diese Diskussion zwar informativ war, jedoch an den Problemen der Anwohner, die auf Konkreteres gehofft hatten, vorbeiging, zeigten die anschließenden Fragen aus dem Publikum. So erklärte eine im Bezirk tätige Mieterberaterin, dass mehr Grünflächen und bessere Schulen im Bezirk zwar wünschenswert wären, aber vor allem auch die vom Verkehr ausgehenden Gefahren und Lärmbelastungen den Wegzug von Familien bedingten.

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