Presseschau : Türkische Medien berichten über Pisa

Dass die Sachsen die großen Gewinner der neuen Pisa-Studie sind, weiß man mittlerweile auch in der Türkei. Alle größeren Zeitungen räumten der Studie einen Platz auf der ersten Seite ein. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stand die Benachteiligung der türkischen Schüler im deutschen Bildungssystem.

Suzan Gülfirat

In einem Punkt unterschieden sich die türkischen Blätter in der vergangenen Woche nicht von den deutschen. Überall schaffte es die jüngste Pisa-Studie auf die erste Seite, und alle titelten: Die Sachsen sind die neuen Pisa-Sieger. Gefolgt von der Nachricht, dass die Berliner Schüler nur einen Platz im Mittelfeld belegten. Deutliche Unterschiede fanden sich dann aber bei der Analyse des Ländervergleichs.

Die „Milliyet“ beispielsweise sprach mit der Vorsitzenden der Föderation Türkischer Elternvereine (Föted) aus Kreuzberg, Berrin Alpek, über die Bildungsmisere: „Nach wie vor werden türkische Kinder in deutschen Schulen benachteiligt“, sagte Alpek. Drei Schülerinnen im rheinländischen Düren sei verboten worden, in den Pausen türkisch miteinander zu reden. „Mittlerweile muss doch bekannt sein, dass Mehrsprachigkeit kein Hindernis für den Erfolg von Schülern ist“, zitierte „Milliyet“ die Elternsprecherin.

Die „Hürriyet“ beispielsweise ließ Münchner Elternvertreter zu Wort kommen, die das Ende aller Hauptschulen forderten. Außerdem befragte „Hürriyet“ den Vorsitzenden des Bundes der Türkischen Lehrervereine in Deutschland. „Statt die Migrantenkinder als ,die anderen‘ zu bezeichnen, sollte nach Lösungen gesucht werden“, sagte Mete Atay. Schuld an der Misere der Migranten sei nur die verfehlte Bildungspolitik.

Damit dürfte Mete Atay auf ein Zitat von Innenminister Wolfgang Schäuble angespielt haben. „Diese Studie zeigt erneut deutlich, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund im Durchschnitt erkennbar hinter ihren deutschen Klassenkameraden liegen“, hatte der CDU-Politiker der „Bild-Zeitung“ gesagt. Die „Hürriyet“ machte daraus diese Überschrift: „Sind die Migranten selbst schuld an den schlechten Noten?“

Auch die „Zaman“ berichtete über Pisa und zitierte die Linkspartei-Sprecherin für Integrationspolitik, Sevim Dagdelen. Diese kritisierte, dass Kinder aus armen Haushalten noch immer systematisch ausgegrenzt würden.

Nur wenige Tage zuvor hatte die „Zaman“ über ein interessantes Pilotprojekt in Hennef (Nordrhein-Westfalen) berichtet. Dort werden demnächst 20 Lehrerinnen ausgebildet, die muslimischen Schülerinnen nicht nur Schwimmen beibringen, sondern auch die Eltern überreden sollen, ihre Töchter zum Unterricht zu schicken. Die Überschrift dazu lautete: „Eigene Schwimmlehrerinnen für muslimische Damen werden ausgebildet“.

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