Berlin : Preußischer Skulpturengarten auf dem Schloßplatz?

I.B.

Wenn im Herbst nach der Asbestsanierung die Baugerüste am ehemaligen Palast der Republik fallen, dann soll auf dem Schloßplatz keine leere Fläche zurückbleiben, sondern ein Park. Solange jedenfalls, bis eine endgültige Entscheidung über die Bebauung des Platzes getroffen wurde, was einige Jahre dauern kann. Darüber sind sich der Bund als Teileigentümer, die Stadtentwicklungsverwaltung und das Bezirksamt Mitte einig. Die Bauststadträtin von Mitte, Dorothee Dubrau (Grüne), hat sich jetzt mit einer Idee zu Wort gemeldet. Sie möchte auf dem Schloßplatz eine Grünfläche anlegen und dort unter anderen die Skulpturen der Generäle Scharnhorst und Bülow und das Denkmal für den preußischen Reformer, den Freiherrn von und zum Stein, aufstellen. Die beiden Generäle lagern derzeit in einem Depot in Reinickendorf, der Freiherr in einer Berliner Restaurierungswerkstatt. "Für den Schloßplatz müssen wir eine sinnvolle Zwischenlösung finden", sagte Dubrau. Darüber hinaus soll der Palast rund um den Volkskammersaal für öffentliche Veranstaltungen zugänglich gemacht werden. Das sei bereits mit einer Million Euro zu finanzieren. "Als Vorbild denke ich dabei eher an das Tacheles als an die Staatsoper", sagte Dubrau gegenüber dem Tagesspiegel.

Auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will keine langsam verdreckende Ecke in Berlins Mitte. "Das ist ein herausragender Platz", sagt Behördensprecherin Petra Reetz. Der Skulpturengarten der Baustadträtin sei eine "nette Idee". Allerdings: "Es müssen ja nicht unbedingt die empfindlichen historischen Statuen sein, sondern besser modernere Kunstwerke." Denn Dubraus Vorschlag berge viele Unwägbarkeiten. So müsse man Sockel bauen, um die Standsicherheit zu gewährleisten. Und ähnlich wie die Gebrüder Humboldt vor der Humboldt-Universität müsse man auch die Generäle im Winter vor der Witterung schützen, also einhausen. Reetz: "Ganz zum Nulltarif werden wir die Zwischenlösung für den Platz zwar nicht bekommen, aber wir müssen dabei auf jeden Euro achten."

Reetz sieht auch die Bespielung des Palastes skeptisch: So fehlten Anlagen für die Strom- und Wasserversorgung, Toiletten und Treppen. Eine Million Euro dürften kaum ausreichen, diese notwendigen Einrichtungen zu bauen.

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