Prinzessinnengärten : Kreuzberger Gärtner hoffen auf den Kater-Holzig-Effekt

12.10.2012 00:00 Uhrvon
„Das Grundstück ist noch nicht auf dem Ladentisch“, heißt es beim landeseigenen Liegenschaftsfonds Foto: Kai-Uwe Heinrich
„Das Grundstück ist noch nicht auf dem Ladentisch“, heißt es beim landeseigenen Liegenschaftsfonds - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Prinzessinnengärten erhalten Unterstützung von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die will das Projekt zumindest teilweise erhalten – und beruft sich auf die neue Liegenschaftspolitik.

Die Prinzessinnengärten am Moritzplatz werden zum Prüfstein für die Neue Liegenschaftspolitik des Senats. Das Grundstück in der Verfügungsgewalt des landeseigenen Liegenschaftsfonds, sollte ursprünglich meistbietend verkauft werden. Zuletzt hatten zwei Investoren beim Fonds vorgesprochen, deren Pläne wurden auch dem Bezirk vorgestellt. Doch Friedrichshain-Kreuzbergs Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) bevorzugt ein „breit angelegtes Bürgerbeteiligungsverfahren“ für diese „bedeutungsvolle Fläche“ im Herzen des Kreuzberger Kiezes – und erhält nun Rückendeckung von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Deren Staatssekretär Ephraim Gothe (SPD) schlägt in einem Brief an die Senatsverwaltung für Finanzen vor, zusammen mit den „momentanen Nutzern“ ein „Konzeptverfahren“ durchzuführen, das den „hohen Erwartungen in die neue Liegenschaftspolitik gerecht wird“. Konkret heißt das: Die Kreuzberger Gärtner sollen zwei Drittel des 6000 Quadratmeter großen Grundstückes dauerhaft in ein blühendes Biotop verwandeln dürfen – und müssten dann nicht, wie bisher geplant, schon im kommenden Sommer die Brache verlassen. Auf der verbleibenden Fläche könnten dann ein Wohnhaus und eine Gewerbeimmobilie entstehen. Damit, so das Kalkül von Gothe, hätten alle ein Stück vom Filetgrundstück: der Finanzsenator Einnahmen, die Wirtschaftssenatorin Handelsflächen und das Quartier seine Prinzessinnengärten.

„Jetzt haben sie alle die Lippen gespitzt, jetzt müssen sie auch pfeifen“, kommentiert Bezirksbürgermeister Franz Schulz die noch offene Frage, ob auch die Senatsverwaltung für Finanzen einem solchen Konzeptverfahren im Geiste der neuen Liegenschaftspolitik zustimmen wird. Schulz sieht sich bestätigt durch die Initiative der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Allerdings fordert er ein „ergebnisoffenes Verfahren“, das auch einen vollständigen Verzicht auf Neubauten nicht ausschließt – falls das Quorum der Bürger das so fordert.

Die gemeinnützige Gesellschaft Prinzessinnengärten hat nach Angaben eines ihrer Gründer, Marco Clausen, 26 000 Unterschriften von Förderern gesammelt. Mit dreizehn Arbeitsplätzen im Sommer, fünf im Winter, mehr als 100 Freiwilligen im Jahr treibt das Provisorium auch zarte wirtschaftliche Blüten. Vor allem aber spricht der grüne Teppich, den die Initiative über die Stadt legt, für sie: 16 Ablegergärten gibt es bereits an Kitas, Schulen und Unis, auf Hinterhöfen und Brachen.

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