Berlin : Private Wettbüros schließen?

Jörn Hasselmann

Pro Jeder möchte Geld verdienen, das ist das gute Recht eines Kaufmanns. Doch wer Geld verdienen möchte mit – sagen wir es vorsichtig: halbseidenen Geschäften – muss sich gefallen lassen, dass das kontrolliert wird. Und wenn diese privaten Wettbüros in der Vergangenheit durch Kriminalbeamte kontrolliert wurden, lautete das Fazit in aller Regel: „Illegales Glücksspiel“. Das Publikum, dass dort zocken will, muss über 18 sein. Doch welcher Kaufmann wird einen Jugendlichen vor die Tür schicken, wenn der einen Hunderter verjubeln möchte. „Illegal“ heißt verboten, und deshalb ist es gut so, dass das höchste Gericht jetzt Schluss gemacht hat mit diesen Läden. Die haben sich von außen gerne einen seriösen Anstrich gegeben, „Sportwetten“ stand darüber. Aber niemand konnte kontrollieren, wer dort auf was wettete, ob 16-Jährige mit irgendwelchen Irrsinnsquoten über den Tisch gezogen oder Spielsüchtige schamlos ausgenommen wurden. Zu belangen sind die Verantwortlichen dafür meist nicht, sie sitzen oft im Ausland. Und noch eines: Wer glaubt, dass diese Läden den deutschen Fiskus an ihren Gewinnen teilhaben lassen, dürfte wohl eher ein Träumer sein.

Contra Der normale staatliche Regulierungswahn hat einen Vorteil: Er ist so allgegenwärtig, dass man ihn kaum noch spürt. Gelegentlich aber macht sich dieser deutsche Wahn schmerzhaft bemerkbar – wenn er mal wieder Jobs zerstört. Nun sind die Wettveranstalter dran. Gewiss – es ist eine Branche, die für manch einen gefährlich werden kann. Aber das gilt für Sportwetten generell – nicht bloß für privat veranstaltete. Nun hat das Verfassungsgericht dem Staat noch eine Übergangszeit gelassen, in der er das staatliche Monopol der Wettveranstalterei ausnutzen kann. Diese knappe Frist von gerade mal anderthalb Jahren will der Finanzsenator jetzt ausnutzen: Private Wettbüros sollen geschlossen werden – um womöglich im Jahr 2008 unter neuen rechtlichen Bedingungen wieder aufzumachen. Wäre Berlin mit Arbeitsplätzen überversorgt, könnte man nachvollziehen, dass ein sozialdemokratischer Politiker in der überinterpretierten Fürsorgepflicht die Wettbüros zumacht, damit die dummen Konsumenten dort nicht ihr Geld hintragen und süchtig werden. Aber in Berlin sollte man sich sogar als Politiker über jeden freuen, der ohne staatliche Hilfe sein Geld verdient. Werner van Bebber

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