Pro und Contra : Braucht Berlin mehr Polizei?

Erst brannten dutzende Autos, dann am Wochenende gar keine und nun in der Nacht von Sonntag auf Montag brannte wieder eines - in Mitte. Braucht Berlin tatsächlich mehr Polizei? Ein Pro und Contra.

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Vor allem 2011 haben in Berlin immer wieder Autos gebrannt. Im November hat die Polizei zwei mutmaßliche Brandstifter festgenommen, die durch ihre Zündeleien eine heftige Explosion ausgelöst haben sollen. Neue Aufmerksamkeit erfahren die Autobrände nun, weil die Berliner Polizei bei einem Fall flächendeckend Handy-Daten ausgewertet hat.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
04.11.2011 20:21Vor allem 2011 haben in Berlin immer wieder Autos gebrannt. Im November hat die Polizei zwei mutmaßliche Brandstifter...

Nachdem es in der Nacht von Samstag auf Sonntag ruhig geblieben war, brannte in der Nacht von Sonntag auf Montag wieder ein Auto in Berlin: ein Mercedes um 0:34 Uhr an der Mollstraße Ecke Mendelssohnstraße in Mitte. Ob die Tat politisch motiviert war, konnte die Polizei noch nicht sagen. In den Nächten zuvor brannten aber dutzende Autos - über die ganze Stadt verteilt. Braucht Berlin also tatsächlich mehr Polizei?

Pro

Es ist eine einfache Rechnung: Je mehr Polizisten in Berlin auf den Straßen unterwegs sind, desto größer ist die Chance, dass sie etwas entdecken, wo sie eingreifen sollten. Das zeigte sich in einer der ersten Nächte, in denen die Berliner Beamten Unterstützung von den Kollegen der Bundespolizei bekamen. Zwar ging den Verstärkungskräften noch kein Autobrandstifter ins Netz. Aber immerhin konnten sie zwei Männer festnehmen, die an Wahlplakaten und Mülltonnen in einem dicht besiedelten Innenstadtviertel in Friedrichshain zündelten. Und wer weiß, wie viele potenzielle Täter sich durch die zusätzliche Präsenz uniformierter Ordnungshüter haben abschrecken lassen? Wenn Berlin das immer weiter eskalierende Problem der nächtlichen Brandstiftungen, aber auch Gewaltexzesse junger Männer in U-Bahnhöfen und auf Straßen in den Griff bekommen will, führt kein Weg daran vorbei, die über die Jahre reduzierte Zahl der Berliner Polizisten wieder zu erhöhen. Skeptiker mögen einwenden, dass das bankrotte Land dafür nun wirklich kein Geld übrig hat. Dem ist schwer zu widersprechen. Aber die Rechnung muss es ja auch nicht zahlen, denn Berlin trägt nach wie vor einen zu großen Anteil der Kosten für „ hauptstadtbedingte Sicherheitsmaßnahmen“. Angesichts der offensichtlichen Überforderung der Polizei sollte dem Bund die Sicherheit der Stadt mehr Geld wert sein. Lars von Törne

Contra

Mehr Polizisten auf den Straßen – das wird nicht dadurch zu einer sinnvollen Sache, dass jetzt die Grünen darauf gekommen sind. Es mag sein, dass der Schutzmann auf der Straße für das Sicherheitsgefühl der Leute angenehm ist. Zur Kriminalitätsbekämpfung trägt er allerdings nicht viel bei. Denn die erfordert weniger Manpower als vielmehr Konzepte. In einer Metropole wollen die Leute nicht andauernd kontrolliert werden. Verbrechensbekämpfung ist erst mal eine Frage von Informationen und zweitens eine Frage der Zugänge zu Milieus. Es kann auch eine Frage der Strategie im Umgang mit Verwahrlosung sein – wie zu Beginn der 90er-Jahre in New York. Doch hat der Kriminologe Christian Laue in einer Untersuchung zur Polizeiarbeit in New York festgestellt, dass das New York Police Department erst nach einer kräftigen personellen Aufrüstung so viele Polizisten wie Berlin – bei halb so großer Bevölkerung – im Jahr 2002 hatte. Anders gesagt: Nicht die Personalstärke war entscheidend für den New Yorker Erfolg, sondern das Konzept. Wer will, dass mehr Berliner Polizisten die kriminellen Milieus der Stadt trocken legen, muss die Polizei von anderen Aufgaben entlasten. Da ist vieles denkbar, angefangen bei der Zuständigkeit für Bagatellunfälle. Und die Polizei entlastet sich schon selbst: Wann hielt zuletzt ein Streifenwagen hinter einem Zweite-Reihe-Parker? Werner van Bebber

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