Pro & Contra : Ein Wiesenmeer auf dem Airport?

Über die Zukunft des Flughafengeländes wird viel geredet. Besonders umstritten: die Nutzung des City-Airports als Parkfläche.

Pro



Es ist immer dasselbe: Kaum zeichnet sich in Berlin ein Bauprojekt am politischen Horizont ab, werden aus erwachsenen Männern kleine Jungs. Die gehen mit Bagger und Radlader in die Buddelkiste und bauen die Welt um. Nach dem Potsdamer Platz, tut sich mit dem Flughafen Tempelhof endlich wieder ein zu beplanendes Spielfeld auf. Ihr Motto: Berlin hat so viel Grün - da sind neue Parks so überflüssig wie ein "Wiesenmeer".

Und wirklich: Man kann in der Stadt noch atmen, obwohl angebliche Klimafachleute und wirkliche Grüne vor dem Bau des Steingebirges Potsdamer Platz gewarnt haben. Sie sagten damals Beschädigungen des städtischen Binnenklimas voraus - sie haben sich geirrt, zum Glück. Dennoch gibt es keinen guten Grund, das Flugfeld zuzubauen, weder mit Reihenhäusern noch mit neuen Stadtteilen oder anderen Großprojekten der Stadtplaner. Berlin ist groß und steinern genug, und was an Parks vom Tiergarten bis zur Hasenheide vorhanden ist, mag viel Fläche bedecken. Doch alle Parks geraten in den warmen Monaten an den Rand dessen, was atmosphärisch erträglich ist. Wenn die Politik die Tempelhofer Großfläche nicht den Landschaftsplanern überlassen will, soll sie Geld für Sportanlagen ausgeben. Werner van Bebber

Contra

Wer große Pläne hat, braucht eine grüne Wiese. Bei Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer scheint es gerade umgekehrt. Sie will das weite Flugfeld Tempelhofs in ein Wiesenmeer verwandeln. Das 386 Hektar große Areal, größer als der Tiergarten, spiele als "Kaltluftinsel, als Klimaanlage Berlins, eine herausragende Rolle", sagt die SPD-Politikerin.

Aber braucht Berlin tatsächlich einen weiteren grünen Lungenflügel? Mit insgesamt 5500 Hektar Grünflächen, Parkanlagen, Gärten und Friedhöfen, mehr als 400 000 Straßenbäumen und einem Netz von 550 Kilometern Spazierwegen, Promenaden und bepflanzten Straßenräumen gilt die deutsche Hauptstadt als eine der grünsten Metropolen Europas - von den ausgedehnten Waldgebieten innerhalb des Stadtgebietes gar nicht zu reden.

Berlins City fehlt keine Wiesenlandschaft zum Klimaschutz, schon gar nicht am Flughafen Tempelhof, diesem historisch aufgeladenen Ort der Luftbrücke. Das freie Feld inmitten des gigantischen Gebäudekomplexes ist mit Grün allein nicht zu füllen. Dort bedarf es großer Pläne, mit entsprechendem Kapital und Wagemut. An alledem scheint es dem Senat bisher zu fehlen. Stephan Wiehler ()

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