Pro & Contra : Neue Bücherei auf die Startbahn

Auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof soll bis 2015 die neue Zentral- und Landesbibliothek entstehen. 270 Millionen soll der Bau kosten. Braucht Berlin das? Ein Pro und Contra.

Rainer W. During

Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof soll bis 2015 die neue Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) entstehen. Denn die bisher auf vier Standorte verteilte Kultureinrichtung platzt aus allen Nähten. Erst durch den Neubau könne man zu einer zeitgemäßen Metropolenbibliothek werden, heißt es in der ZLB-Generaldirektion. Die Entscheidung des Senats, das rund 270 Millionen Euro teure Projekt zu realisieren, stößt bei der Opposition indessen auf heftige Kritik.

Im Eingangsbereich des DDR-Baus an der Breiten Straße in Mitte bietet das Lese-Café Snacks und Getränke, sitzen kann man auf einem der roten Kunstledersessel im Stil der 50er Jahre . Hinweisschilder mahnen, dass die Mitnahme von Speisen und Getränken in die Landes-Bibliothek verboten ist. Das nur spärlich durch die Oberlichtfenster des Lesesaals dringende Tageslicht wird durch eine Vielzahl von Leuchtstoffröhren ergänzt. Das Haus an der Breiten Straße ist Teil eines Ensembles von insgesamt acht Gebäuden. Dazu gehören auch der Marstall des ehemaligen Stadtschlosses und Berlins ältestes Renaissancegebäude, das Ribbeck-Haus. Zweiter Standort ist die 1954 am Kreuzberger Blücherplatz eröffnete Amerika-Gedenkbibliothek. Mit rund 5000 Quadratmetern Funktionsfläche bietet sie nur etwa ein Viertel des Platzes der seit mehr als 100 Jahren bestehenden Bücherei in Mitte, wird aber wesentlich stärker frequentiert. Seit 2005 gehört auch die Senatsbibliothek an der Straße des 17. Juni zur ZLB-Stiftung.

Doch keines der Häuser entspricht den heutigen Anforderungen. Moderne IT- und Fördertechnik lässt sich nur schwierig in die historische Bausubstanz integrieren. Und die Enge macht eine Aufteilung der Fachbereiche notwendig. „Alle fünf Minuten fragt ein Besucher nach einem Medium, das sich in einem anderen Haus befindet“, so Jonas Fansa, Baureferent der ZLB-Generaldirektion. Häufig muss es erst aus dem Außenmagazin angefordert werden, das sich in einem ehemaligen Fabrikkomplex in Kreuzberg befindet. All das verursacht einen erheblichen logistischen Aufwand und erfordert, dass viele Strukturen doppelt oder dreifach vorgehalten werden müssen. Derzeit sind nur zehn Prozent der 3,4 Millionen gedruckten und elektronischen Medien für die Nutzer direkt verfügbar.

Rund 1,4 Millionen Besucher und 4,24 Millionen Ausleihen verzeichnete die Landesbibliothek im vergangenen Jahr. Nur rund 7000 der 42 000 Quadratmeter Gesamtfläche stehen als Publikumsbereich zur Verfügung. Das soll sich mit dem Neubau ändern. In Tempelhof sollen den Besuchern 25 bis 30 Prozent der Medien direkt zur Verfügung stehen, ohne lästige Wartezeiten und Magazinbestellungen. Von den hier geplanten 63 000 Quadratmetern Fläche sind 40 000 als Publikumsbereiche vorgesehen, mit rund 2000 Nutzerplätzen und modernster Informationstechnologie. Schon deshalb, so Fansa, wäre der von den Grünen geforderte Umzug der vier Standorte in den bestehenden Gebäudekomplex des Flughafens keine Alternative. Hier würde man auf die gleichen Probleme stoßen wie in den derzeit genutzten Altbauten. Rainer W. During

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben