Berlin : Pro & Contra: Verbot von Springerstiefeln?

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Springerstiefel auf dem Schulhof - immer mehr Eltern und Lehrer wollen sich und ihren Kindern das "Schaulaufen" rechtsgesinnter Schüler ersparen. Einige Berliner Schulen haben in den vergangenen Monaten entsprechend ihre Schulordnungen ergänzt. Ähnliches ist auch aus dem nordrheinwestfälischen Wesel und dem brandenburgischen Schwedt zu hören.

Gestern schaltete sich Schulsenator Klaus Böger (SPD) in die Diskussion über Sinn und Unsinn derartiger Verbote ein. Jede Schule solle für sich selbst entscheiden, ob sie ihre Schulordnungen entsprechend verändern wolle, teilte er mit. Generell sei er gegen ein restriktives Verbot, das rechtlich ohnehin nicht haltbar sei. Zudem gelte es, nicht die Kleidung, sondern die Haltung der Jugendlichen zu verändern. Dagegen hatte Brandenburgs Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) in einem Rundschreiben an die Schulen empfohlen, über Verbote von Bomberjacken und Springerstiefeln nachzudenken.

Die Meinungen gehen in Berlin sehr auseinander. Angesichts der Schätzungen von über zehn Prozent rechtslastiger Schüler erscheint es vielen angebracht, mit Verboten ein klares Signal zu setzen. Zu ihnen gehört Manfred Halbrehder, der Leiter der Hans-Grade-Realschule in Treptow-Köpenick. Er beobachtet an seiner Schule seit ein bis zwei Jahren eine Verstärkung rechter Tendenzen - was nicht verwundern kann, da in seinem Bezirk rechte "Kameradschaften" besonders aktiv sind. Er begründet in seinem folgenden Beitrag, warum es an der Grade-Oberschule unter Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern eine Mehrheit für ein Verbot von Springerstiefeln als augenfälligem Symbol rechter Gesinnung gab.

Özcan Mutlu, der schulpolitische Sprecher der Bündnisgrünen, hält nichts von Verboten, sondern befürchtet, dass sich die "Hass- und Gesinnungskumpanei" dadurch noch verstärken könnte. Nicht die Stiefel, sondern die Gesinnung sei das Problem.

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