Programm für Schallschutzfenster verlängert : Mehr Lärmschutz für Berlin

Verkehrslärm ist eine erhebliche Gesundheitsbelastung. Das Schallschutzfensterprogramm des Berliner Senats wird nun um zwei Jahre verlängert - und das Budget erhöht.

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Ein kilometerlanger Stau hat sich am 11.09.2015 auf der Stadtautobahn A100 in Berlin durch einen verunglückten Lastwagen gebildet. Foto: dpa
Ein kilometerlanger Stau hat sich am 11.09.2015 auf der Stadtautobahn A100 in Berlin durch einen verunglückten Lastwagen gebildet.Foto: dpa

Helga Peter schließt ihr Schlafzimmerfenster und man hört: nichts. Keine Autos, kein Tatütata, keine Lkw. Und das obwohl der Lärm von der sechsspurigen Nonnendammallee zuvor noch überaus laut zu vernehmen war. „Der Unterschied ist ganz deutlich zu merken. Nachts hört man gar nichts mehr“, sagt Peter, die seit 44 Jahren in dem denkmalgeschützen Mietshaus in Siemensstadt wohnt.

Vor kurzer Zeit wurden hier neue Fenster eingebaut, finanziert mit Hilfe des Berliner Schallschutzfensterprogramms. Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich ein 2014 gestartetes Förderprogramm der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur Verringerung von Lärmbelastung. „Bisher haben wir den Einbau von 1000 Fenstern gefördert“, erklärt Staatssekretär Christian Gaebler. Das Budget für die kommenden zwei Jahre soll von 500.000 Euro jährlich auf 670.000 Euro aufgestockt werden. 2014 wurde die Summe fast restlos abgerufen.

Staatssekretär Christian Gaebler möchte die Fördersumme für das Schallschutzfensterprogramm erhöhen. Foto: Julian Graeber
Staatssekretär Christian Gaebler möchte die Fördersumme für das Schallschutzfensterprogramm erhöhen.Foto: Julian Graeber

Während beim Thema Lärmbelastung meist Großprojekte wie der BER oder die Verlängerung der Stadtautobahn im Fokus stehen, widmet sich das Schallschutzfensterprogramm ausschließlich dem gewöhnlichen Verkehrslärm durch Autos und oberirdische U- bzw. Straßenbahnen. Es ist Teil des Lärmaktionsplans und greift dort, wo eine Verbesserung des aktiven Schallschutzes durch Verkehrsplanung, Schallschutzwände oder Flüsterasphalt nicht möglich ist. Gefördert wird der Einbau in besonders durch Verkehrslärm betroffenen Straßen. Dazu gehört auch die Nonnendammallee, in der die Grenzwerte - 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel nachts - deutlich überschritten werden. Welche Straßen sonst noch als besonders lärmbelastet gelten, lässt sich auf einer Karte der Senatsverwaltung unter www.berlin.de/schallschutzfenster sehen. Förderanträge können alle privaten Wohnungseigentümer sowie Wohnungsbaugesellschaften stellen. Der maximale Förderbetrag je Wohnung soll von 6000 auf 10.000 Euro angehoben werden.

Empfundene Lautstärke wird halbiert

Der Effekt durch Schallschutzfenster ist enorm. Während herkömmliche Fenster ein Schalldämmmaß von 28-32 Dezibel haben, wird dieses durch den Umbau um mehr als zehn Dezibel gesteigert. Diese Veränderung wird als Halbierung der Lautstärke empfunden. „Lärm ist eine erhebliche Gesundheitsbelastung und der Verkehr eine der Hauptursachen“, sagt Gaebler, „in den vergangenen Jahren haben wir die Zahl der durch starken Lärm betroffenen Personen durch verschiedene Programme schon um 40.000 verringert.“

Die Förderung durch das Programm deckt etwa die Hälfte der Kosten für den Einbau von Schallschutzfenstern. Den Rest muss der Eigentümer selbst zahlen. In der Charlottenburger Baugenossenschaft, der auch das Haus in der Nonnendammallee gehört, wurden bisher in zehn Wohnungen lärmreduzierende Fenster eingebaut. Ein Teil der Kosten wurde mit 70 Cent pro Quadratmeter auf die Miete umgelegt. Insgesamt hat die Genossenschaft über 40 Anträge gestellt. Dass viele der Häuser unter Denkmalschutz stehen, steigert die Kosten um etwa 25 Prozent. Optisch sind die klassischen Holzkastendoppelfenster in Altbauten kaum von den eingesetzten Schallschutzfenstern zu unterscheiden. „Wir sind sehr dankbar, dass es dieses Programm gibt und wir die Wohnqualität unserer Mieter erhöhen können“, sagt Rudolf Orlob, Vorstand der Charlottenburger Baugenossenschaft. Staatssekretär Gaebler stellt bei Bedarf eine weitere Erhöhung der Fördersumme in Aussicht. „Wenn die Nachfrage so hoch ist, können wir aus anderen Töpfen noch nachfinanzieren.“

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