Berlin : Projektleiter der Zukunft

Pascal Hens soll das Gesicht der Handballer vom HSV werden

Frank Heike

Schon wieder wird von Pascal Hens der nächste Schritt auf dem Weg zum außergewöhnlichsten deutschen Handballspieler gefordert. Dieses Mal im Trikot des HSV Hamburg. Nächste Schritte können so schwer sein. Am Freitag in Magdeburg hat es niemanden interessiert, dass Hens doch gerade den ersten großen Titel seiner Laufbahn feiern durfte. Magdeburg, das sind Deckungsspieler, die den aufregendsten deutschen Halblinken einfach zu Boden rissen, wenn er wie ein Skiflieger in die Luft gestiegen war, um katapultartig zu werfen.

Aus seinen Würfen entstand nur ein Tor; der HSV verlor 27:32 und steht weiter in gehörigem Abstand hinter der Spitze der Bundesliga. Das ist für den Moment in Ordnung so. Aber der HSV mit seinem omnipräsenten Trainer Bob Hanning möchte mehr: einen Europapokalplatz. Dann in die Champions League. Dann die Meisterschaft. Das ist das „Projekt HSV Hamburg“: jedes Jahr ein bisschen weiter nach oben, bis es jeder Sportfan in der Hansestadt gemerkt hat und vielleicht einmal so viele Zuschauer zum Handball in die Color Line Arena kommen wie zum Eishockey. Der bald 24 Jahre alte Hens ist das wichtigste Teil in diesem Puzzle. Aber manchmal passt dieses neue, freie Teil nicht in die umliegenden, schon eingefügten Teile. Man könnte es hineinkanten, denn viel Zeit ist nicht, aber das macht Hanning zum Glück nicht. Er setzt Hens zwar unter Druck, „nach der EM erwarte ich eine Steigerung“, hat er gesagt, aber eigentlich mag ein Typ wie Hanning Spieler wie Hens viel zu gern, um ihnen nicht unendlich viel Kredit zu geben.

Hens hebt nicht ab, auch wenn ihm mancher längst eingeflüstert hat, er sei die Zukunft des HSV und des deutschen Handballs. Wenn er im Kreis der Nationalmannschaft spricht, schaut er erst zu den erfahrenen Christian Schwarzer oder Daniel Stephan, ob es denn in Ordnung sei, dass jetzt er etwas sage. Und er möchte sie beheben, seine Schwächen, sein mangelhaftes Abwehrspiel etwa, oder auch seine fehlende Athletik. Er hat begonnen, Rumpf- und Rückenmuskulatur zu trainieren. „Ich würde gern ein paar Kilo draufpacken“, sagt er. Das muss er auch, bei einer Größe von 2,03 Metern, und dünnen Maßen, die ihm den Spitznamen „Pommes“ eingebracht haben.

Der nächste Schritt. Bei der SG Wallau/Massenheim, seinem ersten Klub in der Bundesliga, wurde der nicht erwartet. Bei Wallau, „da gehst du ins Spiel, fängst an zu werfen und machst dir keinen Kopf.“ Das ist seine Lieblingsformulierung. Sie zeigt Stärke und Schwäche zugleich. Wenn es läuft bei Hens, dann trifft er, wie er will. Das klappt in der Nationalmannschaft bisher viel besser als in Hamburg. Da gibt es eine klare Hierarchie. Dieses „sich keinen Kopf machen“ ist ein Schutzmechanismus auf dem Weg nach oben: Bitte nicht die Lockerheit verlieren! Doch wenn rund um einen jungen Mann mit einem blondierten Irokesenschnitt ein ganzes Geschäftsmodell aufgebaut werden soll, wie jetzt in Hamburg, wird mehr erwartet als Lockerheit: Hens soll in Werbespots auftreten, sich auf Litfaßsäulen zeigen, in die Studios des Fernsehens gehen. Er soll das Gesicht des HSV werden. Es ist aber nicht so leicht, in einer zusammengekauften Startruppe wie dem HSV den Weg vorzugeben, wenn man wie Hens noch viel Unsinn im Kopf hat, gern Döner Kebab isst, einkaufen geht und überhaupt den Umzug von Wallau nach Hamburg erst mal verdauen muss. Inzwischen ist die Freundin da, und Hens’ Manager Gütschow schaut ein bisschen genauer auf seinen wertvollsten Klienten, damit nicht alles auf ihn hereinstürzt.

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