Berlin : Prostituierte fordern Green Card für Kolleginnen

Für sexuelle Dienstleistungen gibt es inzwischen einen Bundesverband. Er sieht für Ausländerinnen in Deutschland „enormen Bedarf“

Matthias Oloew

Ein Blick in die einschlägige Anzeigenrubrik der „B.Z.“ genügt, um sich klar zu werden, was auf dem Markt der Prostitution gerade Konjunktur hat. „Thaimäuse“, „Russische Supermodelle“, „polnische Strapsmodelle“, Frauen aus der Ukraine, Afrika und „rassige Kubanerinnen“ (allein in der gestrigen Ausgabe) annoncieren oder werden annonciert. Rund 60 Prozent der Frauen, die in Deutschland im Prostituierten-Gewerbe arbeiten, kommen aus dem Ausland. Das schätzt der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen (BSD). „Die Branche kann ohne Migrantinnen nicht mehr leben“, sagt Stephanie Klee vom BSD, „wir haben da einen enormen Bedarf.“ Frauen aus dem Ausland würden von den Kunden zunehmend nachgefragt, ein Wunsch, dem das Gewerbe gerne nachkomme. Keine andere Branche hänge eben so stark von den Wünschen der Kunden ab wie die Prostitution.

Anlässlich der Jahrestagung des noch sehr jungen und kleinen BSD in Berlin (am Ende des Jahres will der 2002 gegründete Verein 50 Mitglieder haben) forderten ihre Vorstands-Frauen eine „Green Card“ für Prostituierte, auch, um den Frauen aus Osteuropa, Afrika und Asien die Möglichkeit zu geben, in Deutschland legal zu arbeiten. Weil das derzeit aber noch nicht möglich ist, werde so genannten Menschenhändlerringen die Arbeit leicht gemacht. Der BSD geht allerdings davon aus, dass die wenigsten ausländischen Frauen, auch wenn sie hier illegal arbeiten und leben, zur Prostitution gezwungen worden sind. Felicitas Weigmann, Huren-Vorkämpferin und Inhaberin des „Café Pssst“, sagt: „Bei den letzten Razzien haben weniger als fünf Prozent der Frauen angegeben, sie seien zur Prostitution gezwungen worden.“ Die offizielle Haltung des Prostituierten-Verbands lautet: Die Frauen wussten ungefähr, auf was sie sich da einlassen.

Gerade bei prominenten Kunden seien Frauen, die kein deutsch sprechen, besonders gefragt. „Da besteht nicht die Gefahr, dass sie ihre Freier wieder erkennen“, sagt Weigmann. Im Klartext: Hier ist die Diskretion in jedem Fall gesichert. Ein Punkt, auf dem Promis besonders achteten, schließlich seien ein Besuch im Bordell oder ein Verkaufsgespräch in der Hotellobby schon viel zu auffällig. Darüber hinaus böten illegal arbeitende Prostituierte ihre Dienstleistungen wesentlich günstiger an als ihre legal arbeitenden Kolleginnen. Das habe nicht nur etwas mit der Steuer zu tun, die die Prostituierten zahlen. Weigmann: „Jede Frau hat trotzdem einen gewissen Stolz und möchte sich für ihre Arbeit angemessen bezahlen lassen.“ Ein Grund mehr, warum Ukrainerinnen beispielsweise derzeit so gut im Geschäft sind.

Der BSD versucht, nicht nur die Situation der Migrantinnen zu verbessern, sondern auch die der legal arbeitenden Prostituierten. Das vor einem Jahr verabschiedete Gesetz (siehe Kasten) verstehen die Frauen vom BSD nur als ersten Schritt. Der Menschenhandelsparagraf habe nicht verhindern können, dass Frauen aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Stephanie Klee: „Der Bedarf ist da, und so lange das so bleibt, wird sich an dem Problem nichts ändern.“

Die Frauen fordern, die Gewerbeeinschränkungen durch das Ordnungswidrigkeitengesetz aufzuheben und die Prostitution noch stärker aus der Schmuddelecke herauszuholen. „Wir sind zu jedem Gespräch bereit“, sagt Stephanie Klee und lobt ausdrücklich die Kooperationsbereitschaft der Berliner Industrie- und Handelskammer. Die Hoffnung auf Gesetzesänderungen ist bei den Frauen vom BSD jedoch schwach. Klee: „Im Augenblick hat kein Politiker Lust, sich mit unserem Gewerbe auseinander zu setzen.“

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