Prozess : Banale Streits mit blutigem Ende

Ein Unbekannter zog am Samstag nach einer Rempelei das Messer. Morgen beginnt der Prozess um die tödlichen Stiche am Tegeler Badesee.

Tanja Buntrock

Es war ein harmloser Rempler – doch der daraus folgende Streit endete für einen 28-Jährigen in der Nacht zu Sonntag in Schöneberg im Krankenhaus. Mit Glück hat das Opfer mehrere Messerstichen überlebt. Lebensgefahr besteht laut Polizeiangaben nicht. Der Täter ist flüchtig.

Es war gegen zwei Uhr, als der 28-jährige Deutsche mit seinem 27-jährigen Freund auf dem U-Bahnhof Bülowstraße wartete. Beim Einsteigen in den Zug soll der 27-Jährige einen Mann aus Versehen angerempelt haben. Der Fahrgast reagierte unwirsch, es kam zum Streit. Als sich der 28-Jährige einmischte, wurde er von dem Kontrahenten mit einem Messer niedergestochen. Danach entkam der Angreifer unerkannt. „Die Beamten der Kriminalpolizei haben bereits die aufgezeichneten Bilder der Überwachungskameras auf dem U-Bahnhof Bülowstraße bei der BVG angefordert“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Denn auf allen 175 Bahnhöfen sind Kameras installiert. Nach der kürzlichen Änderung des Polizeigesetzes ist es der BVG nun erlaubt, die Bahnhöfe rund um die Uhr per Video zu überwachen. „Der Bahnhof Bülowstraße ist bereits auf eine 24-Stunden-Aufzeichnung umgerüstet. Wenn die Kamera die Szene eingefangen hat, stehen die Chancen gut, dass der Täter zu erkennen ist“, sagt Reetz.

Dass bei vielen jungen Männern die Messer locker sitzen, hatte erst Mitte Juni ein Vorfall aus Tegel auf tragische Weise bewiesen. Damals hatte ein 23-Jähriger seine Zivilcourage an einem Badesee in Tegel mit dem Leben bezahlt. Am Dienstag beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Haupttäter und seine Freunde. Am 14. Juni hatte es an der Badestelle Saatwinkel Streit zwischen mehreren Jugendlichen und einem Badegast gegeben, weil dieser die Jungen ermahnt hatte, ihren Müll wegzuräumen. Darius E. eilte dem Mann zur Hilfe. Daraufhin soll der 17-jährige Erol A. ihm ein Klappmesser mit voller Kraft in den Rücken gestoßen haben. Der Staatsanwalt wirft dem Angeklagten vor, dass dieser in dem Moment zugestochen habe, als Darius E. gerade mit einem anderen Kontrahenten gerungen habe. Deshalb habe sich das Opfer nicht gegen die Attacke wehren können. Darius E. starb trotz einer Notoperation an seinen schweren Verletzungen. Auch die Freunde des mutmaßlichen Haupttäters, Ugur Al., Evrim T. und Marius Z. (18, 17 und 19 Jahre) müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei vor Gericht verantworten. Erol A. war erst kurz vor der Auseinandersetzung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden, weil er bereits im November 2005 an einer Messerstecherei in der Residenzstraße beteiligt rar.

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