Berlin : „Prügelt weiter so auf die Ausländer ein“

Wie die Türkiye über die Diskussion zum Thema Integration berichtet

Suzan Gülfirat

Die Vorgänge an der Rütli-Schule und die daraus entstandene Diskussion über die Integration von Ausländern ist auch für türkische Blätter ein großes Thema. Der Tageszeitung „Türkiye“ war es in der vergangenen Woche so wichtig, dass auf der Titelseite kaum noch Platz für andere Themen war. Am Dienstag zeigte das Blatt Bayerns Ministerpräsidenten und titelte: „Stoiber hat einen Schuldigen ausfindig gemacht: den Ausländer!“. Über der Fortsetzung des Beitrags im Innenteil des Blattes stand „Entweder Du integrierst Dich oder Du verschwindest!“

Auch am Mittwoch ging es auf der Titelseite in diesem Tenor weiter: „Deutsche Politiker: Prügelt auf die Ausländer ein!“, schrieb die Zeitung über einen kürzeren Bericht. In der Unterzeile erklärte das Blatt: „Sie (die Unionspolitiker) wollen die Zuwendungen kürzen.“ Das sollte heißen: Geht weiter so schlecht mit Ausländer um, und ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt. Liberale Türken empfinden solche Überschriften allerdings mehr als überzogen.

Gleichzeitig kommentierte der Türkiye-Autor Ali Kilicarslan als Einziger dieses Thema. In seiner Kolumne mit dem Titel „Die Feststellung“ veröffentlicht er vereinheitliche Beweise, dass Türken in Deutschland diskriminiert werden. Am Mittwoch widmete sich der Autor dem Thema Gewalt an Schulen. Kilicarslan kritisierte darin, dass man mittlerweile nicht mehr über die Ursachen der Gewalt spreche. „Vielmehr geht es nur noch darum, das Ausländergesetz zu verschärfen, man spricht wieder über das Thema Integration und fordert im gleichen Atemzug die Ausweisung von Menschen, die zu Gewalt neigen. (…) Mit anderen Worten: Man will die Ausweisung von allen Menschen, die sich nicht integrieren“, meinte Kilicarslan. Dabei sei die Zahl der Gewaltvorfälle, die in dem Brief der Rütli-Schule genannt werden, verschwindend gering.

Vor allem die Christdemokraten hätten dennoch die eigentlichen Probleme an dieser Schule auf den „Ursprung der Migranten“ reduziert. „So, als würde Gewalt nur deshalb entstehen, weil es in einer Schule Schüler nichtdeutscher Herkunft gibt“, schrieb der Kommentator und argumentierte: „Dabei beweisen alle Studien, dass Gewalt an Schulen kein neues Phänomen ist. Selbst die hohe Zahl der nichtdeutschen Kinder ist demnach nicht die Ursache für Gewalt. (…) Genauso beweisen auch die Untersuchungen des Bundeskriminalamtes (BKA), dass nicht alle (...) registrierten Gewaltvorfälle in Schulen von Migranten verübt wurden.“ Zum Schluss forderte Kilicarslan: „Die eigentliche Ursache für die Probleme an Schulen ist das Ignorieren der interkulturellen Erziehungsmethoden. (…) Solange der multikulturelle Unterbau der Gesellschaft bei der Erziehung nicht mitberücksichtigt wird, werden wir nie eine zeitgenössische Gesellschaftsform erreichen.“

Bei liberalen Türken gilt die Zeitung Türkiye eigentlich als rechts-national. Das Problem ist, dass selbst diese Leser dieser Zeitung Recht geben, wenn sie solch einen Kommentar lesen.

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