Berlin : Psychisch Kranker misshandelte seine Mutter und bleibt frei

Kerstin Gehrke

Vor mehr als 25 Jahren hatte Manfred B. ein großes Ziel. Der gelernte Schlosser wollte zum Fernsehen, Kameramann werden. Doch dann kam die psychische Erkrankung, die ihn zum ewigen Kind und schließlich gewalttätig werden ließ. Der 51-jährige B. hatte im Februar letzten Jahres seine 85-jährige geh- und sehbehinderte Mutter zusammengeschlagen. Gestern musste das Landgericht entscheiden, ob der schuldunfähige Sohn gefährlich für die Allgemeinheit ist und in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.

Kerzengerade saß Manfred B. vor den Richtern. "Ich habe nicht mehr die Erinnerung an das, was passierte, aber es tut mir Leid", sagte er. "Wenn ich meine Medikamente genommen hätte, wäre es nicht dazu gekommen." Nur mit den Medikamenten hatte B. 25 Jahre lang die schizoaffektive Psychose einigermaßen im Griff. Aber als er mit seiner Mutter aus einem Haus im Umland in eine Wohnung nach Friedrichshain zog, brach er die Behandlung einfach ab.

Die Mutter ahnte das Unheil. Ella B. nahm Kontakt zum sozialpsychiatrischen Dienst auf. Sie sprach mit einer Nachbarin über ihren Sohn, dem man in Haus aus dem Weg ging, weil er unheimlich wirkte. Vier Monate nach dem Umzug kam es zum Drama: Weil ihm seine Mutter keine zehn Mark für einen Fahrschein gab, rastete Manfred B. aus. Er schlug und trat auf sie ein, nahm 500 Mark und schloss die hilflos am Boden Liegende ein. Die Verletzungen an Schulter, Arm und Wirbelsäule führten dazu, dass sich die Frau kaum noch bewegen kann.

Nach dem Angriff stand er mit vier Reisetaschen an einer Bushaltestelle. Nachbarin Brigitte R. sah ihn. "Ich dachte, jetzt geht er endlich ins Krankenhaus", sagte sie als Zeugin. Doch wenig später hörte die Lehrerin verzweifelte Rufe aus der Wohung von Ella B. und alarmierte Hilfe. Da war der Sohn, der immer bei seiner Mutter gelebt hatte, bereits unterwegs nach Magdeburg. Dort wollte er Theologie studieren.

Aus Sicht eines Gutachters ist es "extrem unwahrscheinlich", dass von Manfred B. weitere Straftaten ausgehen. Er nehme seit dem Vorfall regelmäßig seine Medikamente, habe eine eigene Wohnung und werde betreut. Dieser Auffassung schlossen sich auch die Richter an. Den Antrag auf Unterbringung lehnte das Gericht ab.

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