Berlin : Putztruppen und ordentliche Dealer in der Hasenheide

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Neukölln. An einem Regentag trifft man im Volkspark Hasenheide nur nette Leute. Freundliches Nicken hier, fröhliches Hallo da, jeder kommt auf den Besucher zu. „Brauchst du was?“, fragt ein junger Mann, an dessen Hundeleine ein vorschriftsmäßig gesicherter Pitbull rüttelt. „Gras, Mann?“, fragt ein anderer. Och, danke, wir sind nur wegen der Mülleimer hier.

„Bei Regen ist es schlecht, da gibt’s hier nur Dealer“, erläutert ein junger Mann mit Goldkette freundlich. Die Leute im Park ähneln sich: männlich, breitbeinig, zwischen 18 und 30 Jahren alt und, nun ja, nichtdeutscher Herkunft. Sie sind der Grund, weshalb ein Kiezbündnis für den Sonnabend ab 12 Uhr zur „Putzaktion“ aufgerufen hatte: Anwohner und Schulkinder wollen den aufdringlichen, scheinbar selbstverständlichen Drogenhandel stören.

Dabei scheinen die Dealer ordentliche Menschen zu sein: Die überall im Park verteilten großen Metalleimer sind gut gefüllt, und was dazwischen auf den Wiesen liegt, haben die Krähen gerade erst herausgeholt, um es in Ruhe zu fleddern. Ansonsten braucht es schon einen tieferen Blick ins Gebüsch, um herrenlose Dosen, Tüten oder Kippen zu finden. Zu tief sollte der Blick aber auch nicht sein, damit die wachsamen Dealer nicht denken, man wolle ihre Depots ausräumen.

Beim Bummel über die Rixdorfer Höhe zeigt sich allerdings, dass der saubere Park nicht nur ein Verdienst ordentlicher Dealer und der von ihnen vergraulten Spaziergänger ist: Vier Männer vom Grünflächenamt marschieren durch den Park. Einer von ihnen ist Siegfried Buggisch, in dessen vielfach tätowierten Händen sich Greifer und Eimer befinden. Klick, klack, klong, sammelt er den Unrat ein. „Da vorn, wo’s ordentlich aussieht, da waren wir schon“, erklärt er.

Heute würden vier Mann für die tägliche Putztour reichen; bei Sonnenschein seien mehr Helfer unterwegs. „Wochentags traut sich ja hier sowieso kein normaler Mensch her. Aber wenn am Wochenende schönes Wetter war, sieht’s hier aus wie Sau.“ Die Mülldichte verhalte sich proportional zur Nähe des „McDonald’s“ am Herrmannplatz, hat Buggisch ermittelt. „Die Leute, die von da kommen, feuern ihren Mist oft direkt neben die Papierkörbe.“ Also könnte man die Behälter auch gleich abmontieren? „Nee, bloß nicht, das wäre ’ne Katastrophe! Dann kämen wir überhaupt nicht mehr hinterher und hätten die dreifache Arbeit. Das wird am Ende bloß teurer“, sagt Buggisch und zieht weiter. Klick, klack, klong.Stefan Jacobs

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