Berlin : Quartiersmanagement: Motivation für Millionen

Ole Töns

Per Los ausgewählte Bürgerkomitees sollen bis Ende 2001 über die Verwendung von 15 Millionen Mark in sozial gefährdeten Wohngebieten bestimmen. Dies bestätigte auf Anfrage die für das Quartiersmanagement in 15 Stadtgebieten zuständige Referatsleiterin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Monica Schümer-Strucksberg. Rund 30 Bewohner aus jedem Problemkiez sollen demnach aus Melderegistern ausgewählt und zur Mitarbeit in so genannten Quartiersfonds-Vergabeausschüssen gebeten werden.

Die Millionen und das besondere Vergabeverfahren sollen die Bewohner zu mehr Eigeninitiative und Verantwortung für ihr Umfeld motivieren, erklärte Schümer-Strucksberg. Sie gab zu, dass das ungewöhnliche Modell auch eingeführt wird, weil sich an dem mit viel Aufwand betriebenen Quartiersmanagement nicht immer so viele Bürger beteiligten wie eigentlich erhofft.

In den nächsten Wochen und Monaten soll in den 15 Wohngebieten zu ersten Ideenwerkstätten eingeladen werden. Unterdessen sind die Vorbereitungen für das Juryprojekt keineswegs auf ungeteilte Zustimmung in den Wohnquartieren getroffen: "Das Projekt ist mit Sicherheit gut gemeint", räumt etwa die Sprecherin des Mieterbeirates in der Neuköllner Rollbergsiedlung, Gabriele Schmidt, ein. Dennoch würden die Menschen, die sich bereits in der Siedlung engagierten, zu wenig gefragt. Auch habe sich die für das Quartiersmanagement zuständige Firma, die jetzt auch mit den Vorentscheidungen für die Jury beauftragt wurde, bisher sehr bürokratisch gezeigt, wenn es um Projekte der Bewohner ging. "Viele Erfolge, mit denen sich das Quartiersmanagement schmückt, wie Mieterbeiräte, Mieterzeitung und die Kunstgalerie Rollbergatelier, sind aber unabhängig davon entstanden", sagt Gabriele Schmidt. Sie befürchtet zudem, dass den ehrenamtlich engagierten Bürgern nur schwer beizubringen ist, dass die mit der Organisation der Ideenwerkstatt beauftragte Firma fast 30 000 Mark dafür erhalten soll.

Dass engagierte Bewohner sich durch das Losverfahren übergangen fühlen könnten, ist den Planern in der Senatsverwaltung indes nicht ganz verborgen geblieben: "Wir haben ganz bewusst festgelegt, dass bis zu 49 Prozent der Jury aus Vertretern bestehender Interessengruppen gebildet werden", sagte Schümer-Strucksberg. Zudem gehe es bei all dem um Steuergelder. Das sei Grund genug, für ein gewisses Maß bürokratischer Regelung zu sorgen.

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