Berlin : Quartiersmanagement: Stütze vom Staat für Kieze auf der Kippe

Ole Töns

Das Notprogramm des Senats für Problemkieze auf der Kippe - das Quartiersmanagement - wird auf zwei weitere Wohngebiete ausgeweitet. Der Reuterkiez zwischen Sonnenallee und Landwehrkanal, nordöstlich des Kottbusser Dammes sowie problembelastete Wohngebiete zwischen Humboldthain und Leopoldplatz im Wedding erhalten künftig mehr Geld und Personal für soziale und städtebauliche Projekte. Dies erklärte gestern Stadtentwicklungssenator Peter Strieder.

Mit dem Quartiersmanagement wird bereits seit rund drei Jahren versucht, den Verfall von Wohnqualität und sozialer Situation in bisher 15 über die Stadt verteilten Gebieten aufzuhalten. Zu den Kriterien der Mitte der 90er-Jahre begonnenen Auswahluntersuchungen gehören unter anderem Arbeitslosigkeit, Anteil an Sozialhilfeempfängern und Bewohnern aus anderen Herkunftsländern sowie Ab- und Zuwanderungsbewegungen innerhalb der Stadt. Ziel der Entwicklungspolitik ist es nach Darstellung Strieders, die Stadt mit ihren Quartieren als urbanen Lebensraum für alle Menschen gleichberechtigt zu gestalten. Der SPD-Politiker betonte, dass das Zusammenleben verschiedener sozialer Gruppen und Schichten eine Grundlage für stabile Bewohnerstrukturen sei. In den ausgewählten Quartieren kommt dagegen zur hohen Zahl der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger eine starke soziale Entmischung: Bewohner mit besserem Einkommen ziehen fort.

Im Einzelnen bedeutet die Aufnahme in das Förderprogramm für die betroffenen Kieze zusätzlich Finanzspritzen von jeweils rund einer Million Mark in den kommenden zwei Jahren. Zudem werden per Ausschreibung durch den Senat ausgewählte Firmen mit der Koordination und Betreuung der auf diesem Wege finanzierten Kiezprojekte beauftragt. Je nach Gebiet handelt es sich dabei um Bau- oder Renovierungsprojekte, die zugleich als lokale Beschäftigungsmaßname genutzt werden. Finanziert werden aus dem Programm aber auch interkulturelle Kunstaktionen und Diskussionsrunden. Zu Auseinandersetzungen ist es bisher über die Beteiligung der Bewohner an den neuen Entscheidungsstrukturen gekommen. In den nun neu in das Programm aufgenommenen Gebieten wohnen nach Senatsangaben rund 40 000 Menschen. In Berlin leben rund 230 000 Menschen in Gebieten mit Quartiersmanagement.

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