Queer weiß das (14) : Wie ist das Verhältnis von Lesben und Schwulen?

Die Kolumne im Queerspiegel: Heteros fragen, Homos antworten. Heute geht es darum, wie Lesben und Schwule miteinander auskommen.

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Lesbisch-schwules Team: Ellen Page und Ian Daniel moderieren gemeinsam die Reportagereihe "Gaycation".
Lesbisch-schwules Team: Ellen Page und Ian Daniel moderieren gemeinsam die Reportagereihe "Gaycation".Foto: Vice

Kürzlich habe ich mit einer lesbischen Freundin einen queeren Tanzabend besucht, wobei uns auffiel, dass sich die Schwulen sehr dominant verhalten haben und den meisten Raum beanspruchten. Da kam mir die Frage: Wie grün sind sich Lesben und Schwule untereinander eigentlich? Verena, Friedenau

Das müsste irgendwo zwischen hell- und mittelgrün liegen, schätze ich. Grundsätzlich gibt es ja viele Gemeinsamkeiten, weshalb eine gewisse Nähe zwischen uns besteht. Sowohl Lesben als auch Schwule wissen, wie es sich anfühlt, wenn man bemerkt, dass das eigene Begehren nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht.

Wir alle kennen das Gefühl, uns bei Eltern, Geschwistern oder Freunden zu outen und haben schon mal gegrübelt, wie offen wir gegenüber Kollegen sein können. Auch die Diskriminierungserfahrungen sind ähnlich und die rechtliche Stellung seit der Abschaffung des Paragrafen 175 gleich (allerdings dürfen Lesben im Gegensatz zu Schwulen Blut spenden).

Aufgrund dieser Ähnlichkeiten machen Schwule und Lesben oft gemeinsame Sache, etwa bei der Organisation von Paraden, Partys und Protestaktionen, in Sportvereinen, Redaktionen oder dem Lesben- und Schwulenverband LSVD. Als Minderheit erreicht man mehr, wenn man zusammenhält.

Das L für die Lesben vorn, aber S wie schwul sagt, wo es langgeht

Womit natürlich noch nichts über die Qualität der Zusammenarbeit gesagt ist. Oft steht zwar das L für die Lesben vorn, aber S wie schwul sagt, wo es langgeht. So schrieb die Verlegerin und Journalistin Manuela Kay vergangenes Jahr in der „Siegessäule“: „Die wesentlichen Posten und Netzwerke sind fest in schwuler Hand.“

Denn selbstredend bleibt im schwul- lesbischen Verhältnis die gesamtgesellschaftliche Situation nicht außen vor. Und Männer geben nun mal weiterhin den Ton an. Sie haben in der Regel bessere Jobs und verfügen über mehr Geld. Bei Frauen- beziehungsweise Männerpaaren potenziert sich dieser Nach- beziehungsweise Vorteil. Die daraus resultierende ökonomische Überlegenheit der Schwulen spiegelt sich in Berlin etwa in der Subkultur, die von Angeboten für Schwule dominiert wird, während es nur noch eine einzige Lesbenkneipe gibt.

Der Dyke March läuft für mehr lesbische Sichtbarkeit

In der Öffentlichkeit sind Schwule sichtbarer als Lesben, was dadurch verstärkt wird, dass in den Medien immer noch Begriffe wie Schwulen-Ehe oder Schwulen-Parade benutzt werden, wo es Homo-Ehe oder queere Parade heißen müsste. Verständlich, dass es in Berlin einen Tag vor dem großen CSD-Umzug wieder einen „Dyke March“ für mehr lesbische Sichtbarkeit geben wird. Was nicht ausschließt, dass die Lesben am nächsten Tag noch mal mit auf die Straße gehen – zusammen mit den Schwulen, Transmenschen und Bisexuellen.

Folge 13: Wie erklärt ihr euch Homophobie?

Folge 12: Warum dürfen Schwule immer noch kein Blut spenden?

Folge 11: Warum soll sich ein schwuler Fußballprofi outen?

Folge 10: Warum sind Homos so scharf aufs Heiraten?

Folge 9: Wie halten es Homos mit der AfD?

Folge 8: Haben Schwule ein besonders Gespür fürs Schöne?

Dieser Text erschien zunächst in der gedruckten Samstagsbeilage Mehr Berlin.

Haben Sie auch eine Frage an die Tagesspiegel-Homos? Dann schreiben Sie an: queer@tagesspiegel.de!

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