Vorträge an der Humboldt-Universität : Nachdenken über queere Emanzipation und Selbsthass

Um Emanzipation und Selbsthass unter LGBTIs geht es in einer von Studierenden organisierten Vortragsreihe an der Humboldt-Universität. Dort findet demnächst auch eine "sommerlich schrullige" Tuntenshow statt.

Die Regenbogenfahne am CSD Berlin.
Die Regenbogenfahne am CSD Berlin.Foto: dpa

Der CSD in Berlin war dieses Jahr politisch wie lange nicht mehr. Und kaum ist er vorbei, kann man sich an diesem Montag an der Humboldt-Universität weiter mit ernsthaften LGBTI-Themen beschäftigen. In der Reihe "Selbsthass und Emanzipation" spricht dort Patsy l'Amour laLove über schwulen Selbsthass. Dabei geht es unter anderem um die Frage, warum auch viele schwule Männer Hass gegenüber den Schwulen äußern, die zu eindeutig schwul sind. Und was kann die Emanzipationsbewegung der Homosexuellen machen, um diesen Selbsthass zu überwinden? Es dürfte also genug Stoff für Diskussionen geben.

Die Vortragsreihe wird noch bis zum Ende des Sommersemesters laufen. Am kommenden Montag (2. Juli) geht es um den Literaturwissenschaftler Hans Mayer, dessen Buch "Außenseiter" in den Siebziger Jahren eine Kontroverse auslöste. In dem Buch schrieb Mayer nicht nur über seine Homosexualität, sondern postulierte, dass "die bürgerliche Aufklärung gescheitert ist". Es folgt ein Vortrag über das Gesundheitsprofil schwuler und bisexueller Männer (6. Juli), die Reihe wird schließlich durch eine Vorlesung über Selbsthass unter Trans*Menschen abgeschlossen (8. Juli). Die Vorträge finden im Hauptgebäude der Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, Raum 1072 statt (nur am 2. Juli im Raum 2094).

Das schwule und lesbische Berlin der Zwanziger Jahre
Der berühmteste Club des schwul-lesbischen Berlins der Zwanziger war das Eldorado, dank seiner Travestie-Shows weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Hier trafen sich Homos und Heteros, Berliner und Touristen. "Zwischen den Tänzen, bei denen auch der Normale sich den pikanten Genuss leisten kann, mit einem effeminierten Manne in Frauenkleidern zu tanzen, gibt es Brettldarbietungen. Eine männliche Chanteuse singt mit ihrem schrillen Sopran  zweideutige Pariser Chansons", schrieb ein Reiseführer durch das "lasterhafte Berlin". Neben dem Stammsitz in der Lutherstraße eröffnete wegen des rauschenden Erfolges im Jahr 1928 eine Zweitniederlassung an der Ecke Kalkreuthstraße/Motzstraße, die dieses Bild im Jahr 1932 zeigt. In der Szene war das Eldorado durchaus umstritten: Homosexuelle würden hier vor einem heterosexuellen Publikum zur Schau gestellt, hieß es.Weitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: Wikipedia/BY-SA 3.0 de
30.04.2015 15:06Der berühmteste Club des schwul-lesbischen Berlins der Zwanziger war das Eldorado, dank seiner Travestie-Shows weit über die...

Veranstalter der Reihe ist das LGBTI-Referat des Refrats der Humboldt-Universität (als Refrat bezeichnet sich an der HU die Studierendenvertretung). Der Refrat lädt in diesem Jahr am 7. Juli ab 16 Uhr auch zu einem ausgesprochen queeren Sommerfest, dessen Höhepunkt zweifellos eine "sommerlich schrullige" Tuntenshow sein wird. Ab 19 Uhr 30 treten dabei unter anderen Gloria Viagra und Patsy l'Amour laLove auf, die vor kurzem auch zu den Drag Queens gehörten, die im Queerspiegel Queen Elizabeth mit einem Grußwort in Berlin willkommen hießen. (Qsp)

Mehr LGBTI-Themen erscheinen auf dem Queerspiegel, dem queeren Blog des Tagesspiegels, den Sie hier finden. Themenanregungen und Kritik gern im Kommentarbereich etwas weiter unten auf dieser Seite oder per E-Mail an:queer@tagesspiegel.de. Twittern Sie mit unter dem Hashtag #Queerspiegel – zum Twitterfeed zum Queerspiegel geht es hier.

Queerspiegel - Der Tagesspiegel-Blog für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen und für alle, für die die Welt bunt wie ein Regenbogen ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar