Berlin : Rad gegen Rad

Zoo-Investor erwägt Rückzug, falls Konkurrent baut

Stefan Jacobs

Im Wettlauf der Riesenrad-Projekte schließt ein Beteiligter den Rückzug nicht aus, falls der Konkurrent zuerst bauen darf. „Wir sind nicht auf Berlin angewiesen“, sagte Christian Harreiner, Geschäftsführer von DBM Fonds Invest, dem Tagesspiegel. Die Gesellschaft hat den Fonds aufgelegt, mit der das 185 Meter hohe Aussichtsrad am Zoo finanziert werden soll – sowie drei weitere in China und Dubai. „Für uns ist wichtig, dass die Investoren glücklich werden“, sagte Harreiner mit Blick auf das Konkurrenzprojekt nahe der Anschutz-Arena am Ostbahnhof. Die Stadtentwicklungsverwaltung hatte erklärt, dass es nur ein Aussichtsrad geben könne, sich aber nicht klar zu ihren Entscheidungskriterien geäußert. Möglicherweise bekommt den Zuschlag, wer zuerst alle Unterlagen beisammen hat.

Zurzeit haben die Planer vom Ostbahnhof wohl einen Vorsprung. Sie haben die erste Phase der Bürgerbeteiligung bereits hinter sich, die beim Zoo-Projekt gerade begonnen hat: Bis 21. Dezember liegen die Pläne im Stadtplanungsamt Mitte (Iranische Straße 3, Wedding) aus; für den 19. Dezember ist eine Erörterung im Europacenter angesetzt. Laut den Unterlagen spricht nur wenig gegen das Vorhaben: Die Gefahr für Vögel sei ebenso gering wie der Eingriff in die Natur, zumal das zurzeit vom Zoo-Wirtschaftshof belegte Gelände ökologisch unbedeutend ist und niemand direkt nebenan wohnt.

Während die Projektentwickler am Zoo auf ihre beim Bau des „London Eye“ erworbene Kompetenz und die bislang hervorragende Zusammenarbeit mit den beteiligten Bezirksämtern setzen, bauen Anschutz und dessen Projektpartner, die Schaustellerfamilie Steiger, auf ihren Vorsprung und die in Friedrichshain vielleicht eher akzeptable optische Dominanz des Rades. Das technische Know-how sei ebenso gesichert wie die Finanzierung, sagte der Bevollmächtigte von Steiger.

Am Geld wird auch das Zoo-Projekt kaum scheitern: Nach Auskunft von Harreiner verkaufen sich die Fondsanteile so gut, dass das Volumen von 200 auf 300 Millionen Euro erhöht werden soll. Das brächte Geld für zwei weitere Räder – in Florida und Indien.

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