Radweg um den BER : Auf der 24-Kilometer-Rollbahn
09.09.2012 13:18 Uhr"Hier ist es richtig ländlich"
Die vielen Negativberichte nerven ihn, weil er ständig besorgte Anrufe von Investoren bekommt. Das „Bed & Breakfast“-Hotel im Gewerbepark am Flughafen sollte eigentlich im Herbst eröffnen, jetzt zögen sich die Arbeiten hin. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Haase. Das Drumherum des Flughafens – die Straßen, Bahntrassen, Schulen und Gewerbegebiete – seien schon 2011 bereit gewesen für den BER-Start. Die neue Schule ist nur halb voll, „das soll so sein“, sagt Haase, doch nun wird sie sich langsamer füllen als gedacht.
Am südlichen Flughafenzaun bricht der Radweg plötzlich ab, die Umleitung führt über Rotberg und Kiekebusch. „Hier ist es richtig ländlich“, sagt Haase, aber nicht wirklich idyllisch. In Kiekebusch hängen Protestplakate, weil eine der abknickenden Flugrouten über den Ort führt. Haase hat den Protest in Stein meißeln lassen. „Flugroutendesaster 26. 1. 2012“ steht drauf. Es ist einer der Wegweiser-Obelisken aus Granit, die das Wegesystem in Schönefeld markieren. Jeder Obelisk ist von einem Unternehmen gesponsert. Die Millionen für die Radwege kommen von der Gemeinde und der EU.
Der Flughafen ist eröffnet - zumindest im Legoland:
Über Waltersdorf geht’s zum BER-Terminal, der daliegt wie ein heiliger Tempel, unzugänglich fürs Volk. Haase war natürlich schon drinnen und ließ sich beeindrucken von der verschwenderischen Höhe und Leere. Selbst die Ruhebänke am Willy-Brandt-Platz verströmen ein Flair von Luxus und Gediegenheit. Der BER ist für Haase die Krönung seiner Amtszeit und die Krone seiner Gemeinde. Insofern ärgert es ihn schon, dass die Brandschutzanlage, so ein bloßes technisches Vehikel, die Entwicklung einer Region aufhält. In anderen Ländern wäre man nicht so pingelig mit den Sicherheitsbestimmungen, deutet Haase an. Er hat viele Jahre in der Mongolei gearbeitet und sich dort die „asiatische Gelassenheit“ antrainiert.
Über Bohnsdorf geht’s zurück nach Alt-Schönefeld. Vorbei an der Gartenstraße, dem früheren Straßenstrich. Nun seien die Prostituierten in ein festes Bordell umgezogen. Das müsse so sein, habe man ihm geraten. „Wir sind ja eine Hafengemeinde.“ Wieder dieses süffisante Lächeln. Haase glaubt, das letztlich alles gut wird, für den BER und sein Drumherum. Auch der Lärm werde sich abschwächen. Spätestens in 100 Jahren seien die Flieger solargetrieben und stumm. „Die Vögel machen ja auch keinen Krach.“



















