Rätselhafter Krähenschwund : Naturschutzbund ruft zur Vogelzählung auf

Vor 30 Jahren gab es in Berlin noch riesige Krähenschwärme. Vor allem in den letzten fünf Jahren sank die Zahl drastisch. Der Naturschutzbund ruft nun zu einer "Stunde der Wintervögel" auf.

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Mitesser. Je dicker die Schneedecke, desto schwieriger die Futtersuche für die Vögel. Einige Krähen versorgen sich im Eisbärengehege des Zoos.
Mitesser. Je dicker die Schneedecke, desto schwieriger die Futtersuche für die Vögel. Einige Krähen versorgen sich im...Foto: dpa

Berlin - Die Welt ist voll von bunten, schrägen und ganz normalen Vögeln – auch in der Stadt im Winter. Einige kennt fast jeder, andere lassen sich mithilfe des Naturschutzbundes Nabu online identifizieren. Der Nabu ist es auch, der vom 6. bis 9 Januar zur „Stunde der Wintervögel“ aufruft: Man suche sich einen Beobachtungsplatz und zähle eine Stunde lang, was am Vogelhäuschen, im Garten oder im Park piept und pickt. Die Aktion soll – ebenso wie die mit bundesweit mehr als 40 000 Teilnehmern längst etablierte „Stunde der Gartenvögel“ im Mai – einen Überblick über die winterliche Vogelwelt liefern.

Wie sich die Schwärme mit den Zeiten ändern, beobachtet der frühere Nabu- Landeschef Hans-Jürgen Stork an den Krähen, die im Winter die Hauptstadt bevölkern. Vor 30 Jahren habe es noch Schwärme mit 80 000 Saat- und Nebelkrähen sowie Dohlen gegeben, „riesige Übernachtungsgesellschaften am Tegeler See, im Tiergarten und in Siemensstadt“. Vor fünf Jahren seien es noch 25 000 und zuletzt nur etwa 8000 Vögel gewesen. Viele davon säßen an der Moltkebrücke. Am Nachmittag kämen sie dorthin, nachdem sie auf dem Feldern im Umland nach Futter gesucht hätten. In der Dämmerung flögen sie dann zu den Platanen in der Gegend zwischen Wall- und Breiter Straße sowie Dom und Marx-Engels-Forum.

Die schwindenden Bestände erklärt Stork mit der Stilllegung von Futterquellen wie Rieselfeldern und Deponien. Wenn dann noch die Felder dick verschneit sind wie zuletzt, bleiben fast nur die von Menschen hinterlassenen Abfälle.

Ganz früher, als der Mensch noch kein großer Müllerzeuger war, seien die Krähen im Herbst aus ihren osteuropäischen Brutquartieren bis nach Südfrankreich geflogen. Jetzt gebe es wohl die Tendenz zum Kurzstreckenflug in nur wenig mildere Gefilde. Wenn dann doch ein strenger Winter kommt, dezimiere er die Bestände. Aber ganz genau wisse man das noch nicht. Wissenslücken wie diese soll die Zählung schließen.

Infos zu Zählung und Meldung:

www.stundederwintervoegel.de

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