Reaktionen : Trauer über Tod von Alt-Erzbischof Sterzinsky

Der Berliner Alt-Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky ist tot. Über konfessionelle und Parteigrenzen hinweg wurde Sterzinsky als Wegereiter der Ökumene und des Zusammenwachsens der Kirche in Ost und West gewürdigt.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte, "wir trauern in diesen Stunden um einen Erzbischof und Priester, um einen Seelsorger und gläubigen Katholiken, der sich sein Leben lang in tiefer Frömmigkeit dem Herrn und seiner Kirche verschrieben hat". In stiller Trauer verneige er sich vor einer "beeindruckenden, bescheidenen und wegweisenden Persönlichkeit".

Zollitsch sagte, es wäre Sterzinsky eine große Freude gewesen, Papst Benedikt XVI. anlässlich dessen Besuchs in Berlin im September willkommen zu heißen. "Es sollte ihm nicht mehr vergönnt sein."

ZdK würdigt Sterzinsky als "Brückenbauer"

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, erinnerte "voller Dankbarkeit" an das große Engagement Sterzinskys, dass dieser dem ZdK gewidmet habe. Als gastgebender Bischof habe er entscheidend dazu beigetragen, dass der Berliner Katholikentag 1990 zu einem der "ersten großen gesamtdeutschen Hoffnungs- und Aufbruchszeichen" geworden sei. Mit der Ausrichtung des ersten Ökumenischen Kirchentags 13 Jahre später habe er sich erneut "als einer der großen Brückenbauer unserer Zeit" erwiesen.

Der Vorsitzende des Diözesanrates des Erzbistums, Wolfgang Klose, führte an, Sterzinsky habe in einer Zeit, die kirchenpolitisch geprägt sei vom Streit zwischen konservativem Rückfall und einem Eintreten für die "Verheutigung des Glaubens", eindeutig liberale Positionen vertreten.

Mit großer Trauer und Bestürzung reagierte auch die Jüdische Gemeinde zu Berlin auf den Tod des Kardinals. Mit ihm verliere man einen guten Freund sowie einen Befürworter des interreligiösen Dialogs, hieß es.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hob hervor, der Kardinal sei ein "herausragender Vertreter" der Kirchen in Berlin gewesen. Sterzinsky habe den Dialog mit anderen Kirchen angestrebt und sei ein "verlässlicher Partner" gewesen.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte, mit Sterzinsky verlören nicht nur die Katholiken in Brandenburg, Berlin und ganz Deutschland eine herausragende Persönlichkeit. Der Kardinal habe die Neuordnung der katholischen Kirche in den östlichen Bundesländern maßgeblich begleitet.

Sterzinsky wurde kurz vor Mauerfall Bischof

Geboren wurde Sterzinsky am 9. Februar 1936 im ostpreußischen Warlack. Seine Priesterweihe erhielt er am 29. Juni 1960. Nach seinem Wirken in Thüringen, zuletzt als Generalvikar des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen, wurde Sterzinsky am 9. September 1989 als Bischof von Berlin eingeführt. Zwei Monate später fiel die Mauer und Sterzinsky stand vor der schwierigen Aufgabe, auch in der katholischen Kirche Ost und West zusammenzuführen.

Knapp zwei Jahre später, am 28. Juni 1991, wurde Sterzinsky Kardinal und am 27. Juni 1994 zum Erzbischof ernannt. Im Erzbistum Berlin leben etwa 390.000 Katholiken. Es umfasst neben der Bundeshauptstadt auch Teile Brandenburgs sowie den Osten Mecklenburg-Vorpommerns. Mit 31.200 Quadratkilometern ist es flächenmäßig das zweitgrößte Bistum in Deutschland. Das Berliner Erzbistum hofft, dass bis zum Papstbesuch am 22. September ein neuer Bischof ernannt wird. (dapd)

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