Berlin : Rechte Attacke auf SPD-Wahlhelfer

23-Jähriger in Marzahn schwer am Kopf verletzt In Rudow bedrängen Neonazis die CDU

Jörn Hasselmann

Die Gewalt im Wahlkampf eskaliert. In der Nacht zu Sonnabend wurden zwei junge Männer, die für die SPD Wowereit-Plakate aufhängten, von zwei jungen Neonazis angegriffen. Die beiden 23 Jahre alten Wahlhelfer ergriffen sofort die Flucht, verfolgt von den 20 und 21 Jahre alten Rechten. Als Felix F. auf der Flucht stürzte, umringten ihn die beiden Neonazis, einer trat ihm mehrfach gegen den Kopf. Erst als die beiden Angreifer von Felix F. abließen, konnte er sich in ein Haus schleppen und die Polizei alarmieren. Er kam mit schweren Kopfverletzungen in eine Klinik. „Wir hoffen, dass nichts zurückbleibt, sagte Sven Kohlmeier, der SPD-Fraktionsgeschäftsführer des Bezirks: „Die haben mit festem Schuhwerk zugetreten.“

Die Polizei fuhr anschließend mit dem zweiten Wahlhelfer, der sich in Sicherheit gebracht hatte, die Umgebung ab – mit Erfolg. Thomas G. und Ronny F. lungerten in der Nähe herum, wurden festgenommen. Sie wurden noch in der Nacht, nach einer Blutentnahme und Abgabe von Fingerabdrücken, wieder entlassen. Der für politische Delikte zuständige Staatsschutz ermittelt gegen die beiden polizeibekannten Männer. Dass die beiden trotz der brutalen Attacke nicht dem Haftrichter vorgeführt wurden, versuchte die Polizei gestern so zu erklären: Zunächst müsse das Opfer befragt werden, wer von den beiden zugetreten habe. Danach könne man immer noch eine Inhaftierung erwirken.

Auch die CDU wurde gestern Vormittag in Rudow von Rechtsradikalen bedrängt. Nach Angaben des CDU-Generalsekretärs Frank Henkel konnten die Rechten nur durch das massive Polizeiaufgebot vom Angriff auf den Wahlstand abgehalten werden. Anders als bei früheren Wahlkämpfen werde die CDU jetzt vor allem von Rechts- und nicht mehr von Linksextremisten angegriffen. Am Rande dieser Rangelei wurde der rechte Schläger Sebastian T. wiedererkannt und festgenommen, der vor zwei Wochen bei dem Angriff auf einen PDS-Stand dabei gewesen sein soll. Nach einer erkennungsdienstlichen Behandlung und einer Wohnungsdurchsuchung wurde der Mann nach Angaben eines Polizeisprechers wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen ihn wird wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Der U-Bahnhof Rudow gilt als rechte Hochburg, die Mitglieder der 2005 verbotenen Neonazikameradschaft „Baso“ sind mehrfach in den vergangenen Wochen dort und in anderen Bezirken aufgefallen. So war deren Gründer, René Bethage, wie berichtet, mit etwa 20 Kumpanen Ende August bei einer Wahlveranstaltung der SPD in Lichterfelde einmarschiert, die deshalb abgebrochen werden musste. Nach Angaben der Innenverwaltung wird derzeit geprüft, ob die „Baso“ trotz Verbots weiter agiert.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der das 23-jährige Opfer gestern im Unfallkrankenhaus Marzahn besuchte, sagte danach, der junge Mann stünde unter Schock. Für ihn werde es in der nächsten Zeit schwierig sein, wieder unbeschwert unter Menschen zu gehen. Die Brutalität der rechten Schläger sei auch eine Folge des „unverschämten Auftretens“ der NPD im Wahlkampf. Die Antwort der Berliner auf den Vorfall könne nur darin bestehen, zur Wahl zu gehen und demokratischen Parteien ihre Stimme zu geben.

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