• Rechtsextremismus bei der Euro 2016: Experte: AfD und Pegida entfesseln den Fremdenhass

Rechtsextremismus bei der Euro 2016 : Experte: AfD und Pegida entfesseln den Fremdenhass

Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke führt die fremdenfeindlichen Vorfälle von angeblichen Fußballfans auf die Parolen von AfD und Pegida zurück.

Daniel Godeck
Deutsche "Fans" in Lille vor dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine am Sonntag.
Deutsche "Fans" in Lille vor dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine am Sonntag.Foto: Tagesspiegel Sport

Angebliche Fußballfans, die den Hitlergruß zeigen, die erste Strophe der Nationalhymne singen und „Lügenpresse“ rufen: Die fremdenfeindlichen Gesten von mutmaßlich Rechtsextremen auf der Fanmeile am Brandenburger Tor am Sonntag haben nach dem Sieg der DFB-Elf gegen die Ukraine einen faden Beigeschmack hinterlassen.

Nach Einschätzung von Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke sind die Vorfälle ohne Zweifel auf die rechten und islamfeindlichen Parolen von AfD und Pegida zurückzuführen. „Wir erleben seit knapp zwei Jahren eine Entfesselung der Ressentiments“, sagte der Politikwissenschaftler von der Freien Universität Berlin dem Tagesspiegel. Der radikale Flügel der AfD um Alexander Gauland und Björn Höcke sowie die Pegida-Bewegung hätten einen „ethnozentrischen und rassistischen Nährboden geschaffen“, der Fremdenfeindlichkeit ein stückweit salonfähig gemacht habe, so Funke weiter.

Ob die Äußerungen Gaulands über Nationalspieler Jérôme Boateng oder den Wirbel um die Gesichter auf der Kinderschokolade: Beides seien Beispiele dafür, wie eine „En Vogue“-Stimmung“ geschaffen wurde. „Die fühlen sich als Volkes Stimme stärker.“ Diese Rechtsextremen seien jedoch nicht nur anfällig für diese „rhetorischen Brandfackeln“, sondern nach Funkes Einschätzung zusätzlich gewaltbereit. „Die sind außerordentlich aggressiv.“

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Den überwiegenden Teil der Deutschlandfans sieht Funke nicht als fremdenfeindlich an. „Fußballbegeisterung ist nicht ethnozentrisch“, sagte er. Seit der Fußball-WM 2006 im eigenen Land gebe es eine Spaltung des Nationalverständnisses. „Die Mehrheit hat ein liberales und modernes Verständnis.“ Diese hätten überhaupt keine Probleme mit Spielern wie Boateng, Mesut Özil oder Shkodran Mustafi. Nur eine kleine Mehrheit wolle das nicht. Auf zehn bis zwanzig Prozent schätzt er den Teil der Bevölkerung, der für rassistisches Gedankengut anfällig ist. „Das sind deutlich weniger als in vielen anderen Staaten.“

Wie man gegen den braunen Mob vorgeht? Funke sieht zwei Seiten in der Pflicht; zum einen den Staat mit seinen Sicherheitskräften: „Es kommt darauf an, wie konsequent die Polizei durchgreift“, sagte Funke. Im Idealfall müssten die Täter sofort aus der Menge gezogen werden. Auf der anderen Seite sieht der Rechtsextremismus-Experte aber ebenso die Bürgergesellschaft in der Verantwortung: „Die Medien, die Öffentlichkeit und die Zivilgesellschaft müssen entschieden gegen solche Gruppen vorgehen“, sagte Funke. Und zwar: Indem man sie isoliere.

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