Berlin : Redet!

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über die Angst

des Managers beim Kommunizieren

Es gibt Hinweise darauf, dass die modernen Kommunikationsmittel nicht Teil der Lösung sind, sondern Teil des Problems. Wir können miteinander im Konferenzraum sprechen, können Briefe schreiben, telefonieren, Faxe schicken, geschliffene E-Mails formulieren oder hastig hingedrückte SMS-Nachrichten. Aber wenn die Entscheidung ansteht, was wir davon tun, dann tun wir nix.

Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck auf, wenn es wieder mal keiner gewesen sein will. Kein Mensch blickt durch im Tarifdschungel der Stadtreinigung – aber wer hat Schuld? „Massive Fehler beziehungsweise Unterlassungen von selbstverständlich erscheinender Kommunikation“ zwischen den Vorstandsmitgliedern, den Mitarbeitern und Beratern hat es gegeben, sagt der Untersuchungsbericht. Stellt euch vor, der Berater kommt – und keiner spricht mit ihm. Bei den ausufernden BVG-Gehältern war es ähnlich: Der Aufsichtsrat ist nun zornig, weil der Vorstand ihm nichts gesagt hat, ähnlich wie ein Polizist, der dem Schurken böse ist, weil der den Griff in die Tasche nicht angekündigt hat. Und beim Tempodrom weiß man bis heute nicht, wer mit wem nicht geredet und damit das ganze Chaos ausgelöst hat.

Berlin braucht offenbar psychologische Beratung. Einen kompetenten Experten, der die vor Einsamkeit weinenden Berater auf dem Klo findet, der verstockte Vorstandschefs zum Reden bringt und ratlosen Aufsichtsratsvorsitzenden die Briefe diktiert. Der die Bosse im Kreis aufstellt, sie an die Hand nimmt und ihnen die Wahrheit sagt: Euer Job ist es, miteinander zu reden! Aber wahrscheinlich kriegen die meisten einfach den Mund nicht mehr auf.

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