Reform : Bildungssenator will 50 Schulen schließen

Berlins Bildungssenator Zöllner plant einen radikalen Schnitt: Bei der Reform der Haupt- und Realschulen sollen von 120 Standorten nur 70 übrig bleiben. Haupt- und Realschulen sollen zusammengelegt und Ganztagsschulen ausgebaut werden. Und Zöllner will noch tiefer in die Schulstruktur eingreifen.

Susanne Vieth-Entus
Schule
Schüler einer Berliner Hauptschule. -Foto: dpa

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will die Förderung der Berliner Kinder an mehreren entscheidenden Punkten verbessern. Neben der Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen flächendeckend ab 2010 plant er zeitnah auch Reformen in Kita, Grundschule und Gesamtschule. Für die kommende Legislaturperiode empfiehlt Zöllner, die fusionierten Haupt- und Realschulen mit den Gesamt- und Gemeinschaftsschulen zu „Regionalschulen“ zu verschmelzen.

Falls Zöllner sich in der Koalition mit seinen Vorschlägen durchsetzen kann, werden sich die Bezirke ab sofort Gedanken über Schulschließungen machen müssen: Um eine bessere Schülermischung zu erreichen, soll es nur noch Standorte geben, die aus mindestens vier Parallelklassen („Zügen“) pro Jahrgang bestehen. Das bedeutet das Aus für etliche kleine Schulen, die zurzeit nur zweizügig arbeiten. Zöllner schätzt, dass von den jetzt rund 120 Real- und Hauptschulen nur etwa 70 Standorte übrig bleiben. Pro geschlossenem Standort würde das Land etwa 250 000 Euro an Unterhaltungskosten sparen – Geld, das beispielsweise gebraucht wird, um einen Ganztagsbetrieb zu finanzieren.

Wie stark die beiden Schultypen verschmelzen, soll nicht im Detail vorgeschrieben werden. Denkbar ist, dass die Schüler in Klasse sieben und acht zunächst alle gemeinsam unterrichtet und erst in Klasse neun und zehn je nach Leistung in den Hauptfächern aufgeteilt werden. Um starken Schülern die Chance zu geben, nach Klasse 10 das Abitur anzustreben, sollen die Haupt-/Realschulen mit den gymnasialen Oberstufen benachbarter Schulen kooperieren.

Durch die von Zöllner geforderte Abschaffung des Sitzenbleibens in der Haupt-/Realschule könnten erhebliche Mittel gespart werden, die in eine bessere Förderung der Kinder fließen sollen. Dazu könnte gehören, dass die Schulen eine Art Nachhilfeunterricht fest installieren, um Rückstände gezielt aufzuarbeiten.

Die Gesamtschulen sollen die Möglichkeit erhalten, alle Elemente der integrierten Haupt-/Realschule zu übernehmen. Außerdem will Zöllner den Gesamtschülern künftig die Möglichkeit einräumen, frei zu wählen, ob sie das Abitur in zwölf oder 13 Jahren ablegen wollen. Bisher werden sie gezwungen, den schnellen Weg zu gehen, wenn sie gute Leistungen erbringen. „Wir wollen die Situation entspannen, damit nicht alles im Stechschritt abläuft“, sagte Zöllner im Hinblick auf die Kritik am „Turboabitur“.

Und noch einen kritischen Punkt greift Zöllner auf: Die Förderung in den Klassen fünf und sechs der Grundschulen soll verbessert werden. Zu diesem Zweck müssen alle Oberschulen verbindliche Kooperationen mit Grundschulen eingehen. Ziel ist, dass Fachlehrer an beiden Schularten unterrichten. Auf diese Weise soll der Übergang von der Grund- in die Oberschule verbessert werden. Denkbar wäre auch, dass die „Flucht“ in die grundständigen Gymnasien abnimmt, wenn die Grundschulen in den oberen Klassen attraktiver werden.

Zu den Zielen, die Zöllner erst für die kommende Legislaturperiode ins Auge fasst, gehört ein verpflichtendes Vorschuljahr in der Kita. Sowohl in diesem Bereich als auch im Bereich der Praxisklassen erhofft sich Zöllner finanzielle Unterstützung vom Bund.

Die Grünen lobten Zöllners Hinwendung zum zweigliedrigen Schulsystem nach Hamburger Vorbild. Hingegen warnte die SPD-Bildungspolitikerin Felicitas Tesch vor einer „Zementierung“ der Zweigliedrigkeit. Die „Schule für alle“ müsse das Ziel bleiben.

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