Berlin : Regine Hildebrandt: Ein Preis für couragierte Frauen

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Die Louise-Schroeder-Medaille ist eine Berliner Auszeichnung, die erst seit 1998 vergeben wird. Sie geht auf eine Initiative der Koalitionsfraktionen im Abgeordnetenhaus zurück, das den Regierenden Bürgermeister beauftragt hatte, diese Medaille ausschließlich für Frauen zu stiften. Die Auszeichnung soll jährlich auf Vorschlag des Abgeordnetenhauses vom Regierenden Bürgermeister überreicht werden.

Danach entscheidet das Parlamentspräsidium über die zu ehrende Persönlichkeit. Bisher einigten sich die frauenpolitischen Sprecherinnen der Fraktionen auf den Vorschlag. Diesmal wurde eine achtköpfige Findungskommission eingesetzt, der je zwei Mitglieder der Fraktionen angehören, und zwar jeweils die frauenpolitische Sprecherin und je ein Präsidiumsmitglied der CDU, SPD, PDS und Grünen. Das Präsidium mit dem Parlamentspräsidenten an der Spitze besteht aus 15 Mitgliedern und ist nach dem Stärkeverhältnis der Fraktionen zusammengesetzt. Derzeit gehören ihm sieben Abgeordnete der CDU, vier der SPD, drei der PDS und eine der Grünen an.

Im Sinne des Vermächtnisses von Louise Schroeder soll jedes Jahr eine Frau ausgezeichnet werden, die sich in besonderer Weise um Demokratie und Frieden, soziale Gerechtigkeit und um die Gleichstellung von Mann und Frau verdient gemacht hat. Eberhard Diepgen hat die Medaille bisher 1998, 1999 und 2000 überreicht. Die erste Preisträgerin ist die Schriftstellerin und Publizistin Carola Stern, Mitbegründerin von amnesty international. Die zweite ist die CDU-Politikerin Hanna-Renate Laurien, die in Berlin zunächst acht Jahre Schulsenatorin und von 1991 bis 1995 Parlamentspräsidentin war. Die dritte Preisträgerin ist Bosiljka Schedlich. Sie ist die Vorsitzende des Vereins Süd-Ost-Europa-Kultur, der sich die Betreuung von Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien kümmert.

Louise Schroeder (SPD) wurde in der Nachkriegszeit als "Mutter Berlins" verehrt. Sie war die erste Frau an der Spitze der Stadt in der Zeit der größten Not und der Blockade. Die kränkelnde Bürgermeisterin mit der energischen Stimme amtierte 1947/48 als Oberbürgermeisterin an Stelle des von der Stadtverordnetenversammlung gewählten Oberbürgermeisters Ernst Reuter, der das Amt wegen des sowjetischen Vetos nicht wahrnehmen durfte. Von 1946 bis 1951 war sie gewählte Bürgermeisterin in Groß-Berlin, dann West-Berlin. Danach gehörte sie dem Bundestag an. In der Weimarer Republik war sie durchgehend Reichstagsabgeordnete. Kurz vor ihrem Tod wurde sie zu ihrem 70. Geburtstag am 2. April 1957 mit der Ernst-Reuter-Plakette ausgezeichnet. Die Ehrung soll jährlich im Zusammenhang mit ihrem Geburtstag stehen.

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