Reiseregelung Extra : Schabowskis Zettel in Bonn

Bernd Matthies zankt mit Bonn ein wenig um den Schabowski-Zettel. Der gehört seiner Meinung nach in ein Museum in Berlin und nicht an den Rhein.

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Reif fürs Museum: Der Sprechzettel von Günter Schabowski, der quasi die Mauer zum Einsturz brachte.
Reif fürs Museum: Der Sprechzettel von Günter Schabowski, der quasi die Mauer zum Einsturz brachte.Foto: Oliver Berg/dpa

Hallo, Bonn, wir müssen mal reden. Und zwar über den Zettel, mit dem Günter Schabowski die Mauer zum Einsturz brachte. Eigentlich war er es natürlich selbst, mit dem weltbewegenden Stottersatz „Das trifft ... nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich.“ Aber diesen Satz hätte er ja nie gesagt, wenn auf dem Zettel gestanden hätte, was er eigentlich hätte sagen sollen, nämlich, dass DDR-Bürger vom 10. November 1989 unter bestimmten Auflagen in den Westen reisen dürfen.

Das stand da aber nicht, da stand nur, von Schabowski handschriftlich hingeworfen: „Verlesen Text Reiseregelung EXTRA“. Und dieser Zettel galt als verschollen, es existierte nur eine Kopie. Und wegen dieser Kopie wissen wir nun, dass es sich bei dem Ding, das gerade wieder aufgetaucht ist, wirklich um das Original handelt.

Was das mit Bonn zu tun hat? Fragen wir uns auch. Denn der Zettel, aufbewahrt von einem Bekannten Schabowskis, gehört nun dem Haus der Geschichte in Bonn, das ihn für bescheidene 25.000 Euro gekauft hat. Nichts gegen Bonn, die schöne Stadt am Rhein und ihr Geschichtshaus, nichts auch gegen die Tatsache, dass eine Auktion bei Sotheby’s garantiert das x-Fache gebracht hätte. Aber gehört das Ding nicht trotzdem nach Berlin? Hatten wir am Ende nicht genug Geld? Sind gar nicht gefragt worden? Haben gepennt? Zugestimmt???

Man weiß es nicht, würde es aber gern wissen. Aber bis dahin gönnen wir den Bonnern das gute Stück von Herzen. Denn dort mussten sie ja damals auf uns West-Berliner aufpassen – und das ist wirklich jede Entschädigung wert.

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