Renovierung der Staatsoper : Goldstuck im Baustaub

Unerwartet instabiler Boden und ein überraschender Fund: Die Staatsoper Unter den Linden wird ein Jahr später wiedereröffnet als geplant. Am Mittwoch besichtigte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die Baustelle.

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Große Baustelle. Die Sanierungsarbeiten an der Staatsoper Unter den Linden sind schon lange nicht mehr im ursprünglichen Zeitplan.Weitere Bilder anzeigen
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09.02.2013 14:47Große Baustelle. Die Sanierungsarbeiten an der Staatsoper Unter den Linden sind schon lange nicht mehr im ursprünglichen Zeitplan.

Im Boden des Zuschauerraums klafft ein Loch, Stahldrähte ragen aus dem nackten Beton über den Abgrund. Immer weitere Teile des Parketts bringen die Maschinen zum Absturz – wie Butterkeks bröseln sie unter ihnen weg. Vom ersten Rang aus verfolgt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher den Fortgang der Bauarbeiten in der Staatsoper Unter den Linden, die überraschend klein erscheint, nun, da Wände eingerissen sind und alles, was das Gebäude einmal prunkvoll hat erscheinen lassen, abgetragen und ausgelagert wurde. Einzig der Schriftzug „Garderobe links“, der wenige Meter weiter in goldenen Lettern über dem Durchgang prangt, zeugt noch von Zeiten, da Zauberflötenklänge den Raum erfüllten und nicht Presslufthammergetöse.

Ein Jahr später als geplant sollen die Sanierungsarbeiten an der Staatsoper abgeschlossen sein, das haben Intendant Jürgen Flimm und Regula Lüscher vor einer Woche verkündet. Am Mittwoch erörterten die beiden nun im Rahmen eines Baustellenrundgangs die Gründe für diese Verzögerung: Zu optimistisch sei geplant worden, zu knapp kalkuliert. "Der Sandboden ist sehr viel lockerer, als wir angenommen hatten", sagte Lüscher. Bei derzeitiger Bodenbeschaffenheit drohe das Gemäuer abzusacken. "Es müssen Schutzmaßnahmen getroffen werden, die eine Verdichtung verhindern", erklärte Bauleiter Thorsten Schulte.

Und noch etwas war in der Planung nicht vorgesehen: Unter den diversen Bühnenebenen der Oper stießen die Arbeiter neben dem ihnen bekannten Bunker überraschend auf einen alten Tresorraum von 90 Quadratmetern Größe. Er soll vor vielen Jahren dem damals dort ansässigen Berliner Kassenverein gehört haben, birgt aber "bedauerlicher Weise keine Schätze mehr", wie Schulte sagte - dafür jede Menge Grundwasser, das von unten gegen die Mauern der Staatsoper drückt.

Trotz aller unvorhergesehener Widrigkeiten aber betonte Lüscher am Mittwochvormittag: "Wir bleiben mit dem Unternehmen im Kostenrahmen." Bis zu 400 Arbeiter gleichzeitig sollen in den kommenden Monaten dafür sorgen, dass der neue Eröffnungstermin eingehalten werden kann. Pumpen wurden installiert, um die Tunnelgänge während der Bauarbeiten vor dem Volllaufen zu schützen, eine dickwandige Stahlwanne und 96 Stahlpfeiler von 20 Metern Länge sollen den Bau künftig nach unten hin stabilisieren. Die Innenverkleidungen der Säle werden gesäubert und restauriert, und dann unterirdisch zurück an die alte Stelle gebracht. Am 3.Oktober 2014, statt wie geplant im Oktober 2013, soll dann endlich der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Für Intendant Jürgen Flimm ist das von größer Bedeutung: "Wir brauchen Zeit, um uns in den Räumen wieder einzurichten." Das eingewöhnen dürfte den Schauspielern leicht fallen, denn zumindest optisch soll am Ende wieder alles beim Alten sein - leicht verändert wird lediglich die Decke, sie wird um vier Meter angehoben, um die Akustik zu verbessern.

239 Millionen kostet die Renovierung laut Planung, davon fließen 21 Millionen in unterirdische Ausbesserungen, 37 in die Intendanz und 42 in das Probebühnenzentrum. Alice Ströver, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, hält es für "höchst unglaubwürdig", dass trotz der Verzögerung keine Mehrkosten entstehen: "Wenn die Handwerker nun ein Jahr länger beschäftigt und bezahlt werden müssen, frage ich mich, wie das nach Meinung von Frau Lüscher gehen soll", sagte sie gegenüber dem Tagesspiegel. "Wir zahlen schließlich auch heute noch die Mehrkosten für die Akademie der Künste ab."

Außerdem wies Ströver darauf hin, dass die Verzögerung der Bauarbeiten auch erhebliche Umsatzeinbußen für die Oper bedeutete. Das Schillertheater, in dem das Ensemble ersatzweise auftritt, fasst deutlich weniger Zuschauer.

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