Résumé eines Nachwuchsdesigners : Bobby Kolade: „Das fühlt sich gut an“

Bobby Kolade gewann im Sommer 2013 mit seiner Abschlusskollektion den Modepreis des Berliner Senats, der mit 25 000 Euro dotiert ist. Hier erzählt er, wie es danach für ihn weiterging

Pappeis. An eine antarktische Höhle soll das Fenster erinnern. Foto: Konstantin Laschkow
Pappeis. An eine antarktische Höhle soll das Fenster erinnern. Foto: Konstantin Laschkow

Über den ersten Platz beim „Start your Fashion Business“-Wettbewerb hab ich mich riesig gefreut. Als Jette Joop mich auf der Bühne fragte, was ich mit den 25 000 Euro mache, sagte ich: „einen langen Urlaub“, aber das war natürlich ein Scherz. Ich nutze das Geld, um mein Label aufzubauen. Das ist ja der Sinn des Ganzen. Bobby Kolade gewann im Sommer 2013 mit seiner Abschlusskollektion den Modepreis des Berliner Senats, der mit 25 000 Euro dotiert ist. Hier erzählt er, wie es danach für ihn weiterging.

Kurz nach der Preisverleihung habe ich meine Kollektion im „Berlin Showroom“ in Paris gezeigt. Bei den Einkäufern kam sie gut an, aber noch verkaufe ich nichts. Ich möchte erst ein Produkt auf den Markt bringen, wenn es wirklich perfekt ist. Auf den Berliner Press Days im Oktober habe ich dann das Projekt des Künstlers Manu Washaus vorgestellt: Er hat Pullover mit den Fotos vom Rana-Plaza-Gebäude bedruckt – eine Textilfabrik in Dhaka, die im April 2013 eingestürzt ist. Obwohl ich nicht in Bangladesch produzieren werde, bin ich als Designer automatisch ein Teil vom System und habe ein furchtbar schlechtes Gewissen. Durch die Pullover haben wir nicht die Welt verändert, aber viele Blogs und Modezeitschriften haben daraufhin über die Katastrophe berichtet. Das war unser Ziel.

Mit meinem Atelier bin ich mittlerweile nach Wedding umgezogen. Das Studio im Parkhaus vom KaDeWe gibt es aber weiterhin, gerade habe ich dort das Schaufenster neu dekoriert: Zu sehen ist eine antarktische Höhle mit Teilen aus meiner letzten Kollektion, die ich in Wolle neu aufgelegt habe. Wolle ist mein Lieblingsstoff. Sie hat eine lange Historie, ist gleichzeitig modern und existiert in endlos vielen Formen.

Auf der Berliner Fashion Week Mitte Januar habe ich nichts gezeigt. Ich finde den Termin nur zwei Wochen nach Silvester seltsam und muss zugeben, dass ich die Freiheit genieße, ganz am Anfang zu stehen: Ich darf noch entscheiden, wann ich was für wen und wie mache – das fühlt sich verdammt gut an. Die nächste Kollektion ist aber schon in Arbeit. Ich befinde mich in der sehr aufregenden Phase, in der ich die Silhouetten visualisiere. Zum Glück ist es gerade mal wieder nicht zu kalt, um mit dem Fahrrad zu fahren. Dabei kommen mir immer die besten Ideen.

Ende Februar fliege ich nach China. Der Berliner Senat hat mich für den „Shenzhen Design Award“ in der Kategorie „Student Award“ nominiert, der Gewinner bekommt 5000 Euro. Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung, was mich erwartet und bin sehr aufgeregt. Außerdem werden bald die ersten Teile von Bobby Kolade auf den Markt kommen. Darauf freue ich mich schon sehr.

Das Protokoll hat Lisa Strunz aufgezeichnet.

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