Berlin : Reuiger Denkmalschützer

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Das Buch über die Ku’damm-Bühnen sei auch eine „Wiedergutmachung“, gab der Stadtplaner Dietrich Worbs zu, als er sein Werk gestern im Theater am Kurfürstendamm vorstellte – zusammen mit Intendant Martin Woelffer , dessen Vater Jürgen Wölffer und Unterstützern der bedrohten Häuser. Der Grund für Worbs’ schlechtes Gewissen: Anfang der 90er Jahre hatte er als Mitarbeiter des Landesdenkmalamts geprüft, ob die Theater zu Baudenkmälern erklärt werden sollten. Er kam aber zu keinem Ergebnis, das Verfahren „scheiterte an der Arbeitsflut nach der deutschen Einheit“.

Deshalb gibt sich der Autor eine Mitschuld daran, dass die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm in Gefahr sind – und hofft, dass sein Buch die Debatte um den Denkmalschutz neu entfacht. Die „geschichtliche Bedeutung“ der Häuser werde unterschätzt, meint er. So handele sich um die einzigen Berliner Bühnen, die der berühmte Theaterarchitekt Oskar Kaufmann für Max Reinhardt gestaltet habe.

Worbs schildert die Theatergeschichte chronologisch und beschreibt auch das einstige Ausstellungshaus der Berliner Secession an gleicher Stelle. Ferner geht es um die Inszenierungen von Max Reinhardt, um die spätere Leitung der Häuser durch drei Generationen der Familie Wölffer und um den Bau des Ku’damm-Karrees in den 70er Jahren. Viel Raum widmet Worbs schließlich dem Streit um die Zukunft der Bühnen und den Protesten gegen einen Abriss.

An der Buchvorstellung nahm auch Marianne Suhr (SPD), die Vorsteherin der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf, teil. Sie ließ sich gleich ein Exemplar geben, um es SPD-Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer vorzulegen. Denn für Januar, verriet Suhr, habe sie mit ihrer Parteifreundin ein Gespräch vereinbart. Vielleicht lasse sich die Senatorin hinsichtlich eines Denkmalschutzes für die Bühnen doch noch umstimmen. CD

Dietrich Worbs, „Komödie und Theater am Kurfürstendamm. Das Erbe von Oskar Kaufmann und Max Reinhardt“, Deutscher Kunstverlag, München, 12,80 Euro

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