Berlin : Riesenrad am Ostbahnhof: Idee kam aus dem Senat

Stadtentwicklungsbehörde brachte den Standort erst ins Gespräch Konkurrenzkampf gewinnt an Schärfe. Beide Investoren wollen bauen

Matthias Oloew

Die Stadtentwicklungsverwaltung ist in der Standortfrage für ein Riesenrad in Berlin nicht so neutral, wie sie vorgibt. Von ihr stammt die Idee, ein solches Rad auf dem Anschutz-Areal in Friedrichshain zu errichten. „Beamte der Stadtentwicklungsverwaltung sind auf uns zugekommen und haben uns gefragt, ob wir uns ein Riesenrad neben der Arena vorstellen können“, sagt Anschutz-Projektentwickler Kevin Murphy. Die Sprecherin der Verwaltung von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bestätigt das, sieht aber die selbst verordnete Neutralität der Behörde nicht gefährdet. „Wir haben mehrere Standorte in Berlin für möglich gehalten“, erklärt Manuela Damianakis, „ich glaube nicht, dass wir ausdrücklich das Anschutz-Projekt fördern“.

Seit Freitag ist der Wettlauf um den Bau eines Aussichtsrades offiziell eröffnet. Anschutz präsentierte vor knapp zwei Wochen seine Pläne, die Konkurrenz, die World Wheel Holding, zog jetzt nach. Beide sind fest entschlossen, ihre Projekte umzusetzen. Anschutz, weil er davon ausgeht, dass er schneller ist; die World Wheel Holding, weil sie glaubt, den besseren Standort zu haben. Senatorin Ingeborg Junge-Reyer will jedoch am Ende nur eines genehmigen.

Anschutz war von den Riesenrad-Plänen zunächst wenig begeistert. „Wir glaubten, es würde zu viel Platz beanspruchen und erklärten, dass wir es nicht unterbringen könnten“, sagt Murphy. Auf dem Baufeld, das für das Riesenrad vorgesehen ist, plante Anschutz ein Entertainment-Center mit Theater, Kinos oder einem Casino. Die Stadtentwicklungsverwaltung stimmte Anschutz um.

Zunächst führte Murphy Gespräche mit Michael Waiser von der World Wheel Holding, das Riesenrad bei Anschutz zu errichten. Doch Waiser lehnte ab, hatte bereits den Standort am Zoologischen Garten in Aussicht. Dort will die World Wheel Holding ihr Rad auch bauen. „Nach Waisers Absage war lange Schweigen“, erzählt Murphy, bis ihn wieder die Stadtentwicklungsverwaltung ansprach: Es gebe nicht nur einen Investor für ein Riesenrad in Berlin. So fanden sich Anschutz und die Steiger-Gruppe aus Bad Oeynhausen zusammen, die nun das Riesenrad auf dem Anschutz-Areal am Ostbahnhof errichten wollen.

Die Stadtentwicklungssenatorin vermeidet es, sich öffentlich auf einen Standort festzulegen. Ihr Parteifreund, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, hält sich zurück. Der dritte Genosse im Bunde, Finanzsenator Thilo Sarrazin, macht aus seiner Präferenz keinen Hehl. Er favorisiert den Standort Zoo. Dem vierten SPD-Mitglied, der Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, bleibt nur das Prinzip Hoffnung: „Ich weiß, dass zwei Herzen in der Brust von Ingeborg Junge-Reyer schlagen“, sagt Monika Thiemen. „Auf der einen Seite ist sie verwachsen mit Friedrichshain-Kreuzberg, war lange Stadträtin dort. Auf der anderen Seite ist sie Stadtentwicklungssenatorin. Ihre Entscheidung kann nur eine des Kopfes sein.“

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