Berlin : Ringelpiez in China

125 Berliner Buddy-Bären sind auf Reisen: In Hongkong und Shanghai geben sie ein Gastspiel – auf Einladung von Action-Held Jackie Chan

Lothar Heinke

Was machen eigentlich die bunten Buddy-Bären, seit sie ihre friedliche Völkerfreundschafts-Demo Hand in Hand (oder besser: Tatze in Tatze) am Pariser Platz beendet haben? Die stumme Völkerfamilie, die das friedliche Nebeneinander von 125 Ländern symbolisieren soll, schippert seit dem 8.März – Startpunkt Hamburger Hafen – in Holzkisten verpackt, in Containern gestapelt, nach Hongkong. Im Victoria-Park werden sie aufgebaut und dort vom 15. Mai an als Kreis der „United Buddy Bears“ ausgestellt. Sechs Wochen lang wird die bunt bemalte Abordnung aus Berlin, von Flutlicht bestrahlt, zur Besichtigung freigegeben. Danach soll die Karawane weiterziehen: nach Shanghai, auf den „Peoples Square“, den prominentesten Platz der Stadt.

Berliner Buddys – Chinesen auf Zeit. Zwei Prominente aus der Volksrepublik haben das Gastspiel möglich gemacht. Die Berliner „Bärenmutter“ Eva Herlitz, die zusammen mit ihrem Mann Klaus die Buddy-Idee hatte, erzählt, wie das kam: An einem sonnigen Novembertag, kurz vor dem Ende der Bären-Schau, kam der Oberbürgermeister von Shanghai aufs Gelände der Amerikanischen Botschaft, verknallte sich auf der Stelle in die Bären-Familie und gab sein Okay für eine Stippvisite in seiner Millionenstadt. Umso mehr, als er hörte, wer die Schirmherrschaft über die Berliner Wappentier-Schau in Hongkong übernommen hat: sein Landsmann, Schauspieler Jackie Chan zusammen mit dem Hongkonger Regierungschef Tung Chee-hwa.

Jackie Chan drehte letztes Jahr den Film „In 80 Tagen um die Welt“ in Berlin und war vom Kreis der Buddys so begeistert, dass er zu zahlreichen Künstlern, die die Bären bemalt haben, Kontakt aufnahm, immer wieder zum Pariser Platz kam und sich dort mit jedem Bären fotografieren ließ. Ergebnis: ein großes Poster. Der Action-Held, der in seinen Filmen das Gute verteidigt, fand, der Bären-Kreis spiegle seinen Wunsch nach Frieden und Toleranz. „Durch diese Bären lernen wir andere Länder kennen – und Menschen verbünden sich, die die gleiche Wellenlänge haben“, sagte Chan. „Dieser Kreis muss nach Hongkong.“ Und weil seine Landsleute mit dem Begriff „United Buddy Bears“ nicht allzu viel anzufangen wissen, entwarf er noch gleich das Motto für den China-Auftritt der Wappentiere: „Die Liebe der Bären bringt die Welt zusammen.“

In Berlin wird es also in diesem Sommer keine Bären-Schau geben. Ein Mini-Bären-Kreis ist bis zum 16. April im Rathaus Schöneberg aufgebaut, dort läuft auch am 2. April vormittags ein Film über die Bären, ihre Geburtsstunde und Bemalung.

Vor dem Marriott-Hotel am Potsdamer Platz steht neuerdings ein Buddy ganz besonderer Art: silbern, aus glänzendem Edelstahl. Gemacht und spendiert von der Firma Krupp, Außenstelle Shanghai.

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